Es ging ruhig zu am Freitagnachmittag auf dem Richard-Wagner-Platz. Dort startete die Demo mehrerer Gruppen gegen einen Ausbau des Flughafens. Gemeinsam ist den Initiativen, dass sie den Klimaschutz und die Lรคrmbelรคstigung fรผr die Bevรถlkerung im Blick haben. Die Vernetzung lรคuft weiter, rund 75 Teilnehmer fanden sich in der Ferienzeit dennoch ein und blieben bis zur Abschlusskundgebung in der Braustraรe.
Denn dort im Gebรคude der Landesdirektion wird entschieden, ob den Plรคnen von DHL, der Flughafen Leipzig Halle GmbH und dem Bau der Cargo City Nord stattgegeben wird. Als Aktion hatte das recht neue Bรผndnis โFรผr Nรคchte ohne Fluglรคrmโ aufgerufen Papierflieger mitzubringen und stellte vor Ort Papier fรผr weitere gefaltete Flieger zur Verfรผgung.
Gestartet wurde wie รผblich mit den Auflagen, die verlesene Route sollte eigentlich auf der Harkortstraรe die rechte Fahrspur nutzen. Eine Auflage war dabei, im Bereich der St. Trinitatis-Kirche den Lรคrmpegel so zu begrenzen, dass im Inneren nichts zu hรถren wรคre. Die Fahrbahnnutzung wurde wohl wegen โzu geringer Teilnehmerzahlโ anders entschieden. Polizei oder Ordnungsamt รคnderten die Route kurzfristig, ohne dies allerdings durchzusagen.
Dadurch kam es im Bereich Floรplatz zu einer Querung der Straรe durch den hinteren Teil des Zuges. Bis dahin hatten begleitende Polizeibeamte und die Polizeibehรถrde (frรผher Ordnungsamt) die Menge auf dem linken Fuรweg gefรผhrt. Eine kurze Diskussion zwischen Behรถrdenvertretern und Anmelderin folgte, dann konnte es die letzten 300 Meter weitergehen.
Dabei fiel auch eher unprofessionell die Bezeichnung โ60 Hanselnโ gegenรผber den Demonstranten. Bessere Kommunikation sowohl des Teils der Demonstranten als auch รผber die Routenรคnderung wรคre aus Beobachtersicht wรผnschenswert gewesen.
In den Redebeitrรคgen standen die klima- und gesundheitschรคdlichen Auswirkungen der geplanten Erweiterung von Flugzeugstellplรคtzen, und dem mehr an Lรคrm im Mittelpunkt (siehe Video). Grรผnen-Stadtrรคtin Anna Kaleri erwรคhnte in ihrer Rede: โBetroffen sind nicht die Bรผrger mit zentrumsnaher Wohnung, sondern die der Auรenbezirke in beispielsweise Lรผtzschena, Stahmeln, Schkeuditz und Nordsachsen. Wรคre das anders, wรผrden auch Tausende Leipziger demonstrieren.โ
Schon im Aufruf hatten die vereinten Initiativen deutlich gemacht: Ein Ausbau des nach pro Start und Landung โdreckigsten deutschen Flughafensโ kรคme fรผr sie nicht in Frage. Peter Richter von der IG Nachtflugverbot versuchte das Argument zusรคtzlicher Arbeitskrรคfte zu kontern: โIch bin selbst Unternehmer, viele meiner Beschรคftigten sind jetzt schon Betroffene. Wer zahlt Behandlungen wegen zu schlechten Schlafs und gesundheitlichen Folgen? Die Krankenkassen. Somit werden Gewinne privatisiert, und die Kosten der Allgemeinheit aufgebรผrdetโ.
Wobei er auslieร, dass mit dem Land Sachsen als Mitbetreiber Gelder an den Staat zurรผckflieรen, dies bisher allerdings noch nicht in Hรถhe der geleisteten Zuschรผsse aus Steuermitteln.
So gilt es auch zu verfolgen, ob die auf der Seite des Flughafens blumig verkรผndete Refinanzierung der Investitionen von 500 Millionen Euro โdurch langfristige Vermietung der zusรคtzlichen Vorfeldflรคche an DHLโ gelingt. Zumindest 300 Millionen fรผr die Vorfelderweiterung und einen neuen Frachthangar mรถchte die Flughafengesellschaft so wieder ins eigene Sรคckel bekommen.
Auch die militรคrische Nutzung des Flughafens und Abschiebungen waren Kritikpunkt zweier Vertreter des โService Civile Internationalโ (SCI). Marcus und Nora kritisierten, dass die Betreiber keine Beobachtungen von Abschiebungen von neutraler Seite zulieรen, es habe sich schon mehrfach im Nachhinein die Rechtswidrigkeit herausgestellt. Abgesehen von der zwischenzeitlichen Diskussion verlief die Demo erwartungsgemรคร friedlich.
Impressionen der Demonstration
Video-Impressionen und Redebeitrรคge der Demonstration
Video: L-IZ.de
Der Stadtrat tagte: Leipzigs Stadtrat sagt drei Mal Nein zum โeuropรคischen Frachtdrehkreuzโ + Video
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Ich dachte dieses Jahr bleiben viele in den Ferien zu Hause. Laut diversen Umfragen. Wird wohl doch nicht so viele interessieren.