Der Streit um den โ€žEnergieberg Seehausenโ€œ macht deutlich, in welchen Entscheidungszwรคngen Leipzig mittlerweile steckt, wenn es die Energiewende irgendwie meistern will, aber gleichzeitig wertvolle Biotope erhalten mรถchte. Oder gar Wald sichern. Eine Stellungnahme aus dem Dezernat Umwelt, Klima, Ordnung und Sport zu einem SPD-Antrag macht deutlich, wie jetzt ausgerechnet das miteinander konkurriert, was Leipzig zukunftsfรคhig machen soll.

Die SPD-Fraktion hatte beantragt, die nรถtigen โ€žAusgleichs- und KompensationsmaรŸnahmen mรถglichst in oder in unmittelbare Nรคhe zum Ortsteil Leipzig-Seehausenโ€œ zu finden, wenn der Solarpark auf der Deponie gebaut wird.

Eigentlich ein bescheidener Wunsch

Eben gerade deshalb, weil der noch junge Wald eigentlich fรผr die Seehausener auch eine Wiedergutmachung dafรผr war, dass sie jahrzehntelang die Deponie direkt vor der Nase hatten.

โ€žGerade die Ortsteile im Norden der Stadt tragen erhebliche Lasten der wirtschaftlichen Entwicklung, von der die Gesamtstadt profitiert. Deshalb muss ein Anliegen der Stadtverwaltung sein, hier zรผgig entsprechende AusgleichsmaรŸnahmen vorzunehmen, um die Lebensqualitรคt im Norden der Stadt zu erhalten und zu steigern. Das geht auch mit kleineren, zรผgig umsetzbaren MaรŸnahmenโ€œ, hatte die SPD-Faktion geschrieben.

Eigentlich ein ganz billiger Wunsch, sollte man meinen.

Wohin mit dem Wald?

Doch schon bei der nรถtigen Ausgleichsflรคche fรผr den mรถglicherweise wieder zu fรคllenden Wald wird es eng. Nicht nur in Seehausen, sondern im ganzen Leipziger Stadtgebiet.

โ€žIm Falle des Eingriffs in den Waldbestand ist hierfรผr ein Waldausgleich nach Sรคchsischem Waldgesetz erforderlich. Hierzu wurden seitens der Stadtwerke Leipzig GmbH zusammen mit dem Zweckverband Abfallwirtschaft Westsachsen und in Abstimmung mit verschiedenen ร„mtern diverse Ausgleichsflรคchen geprรผft und unter anderem auch ein lokaler Ausgleich entlang der Autobahn A 14 sรผdlich bzw. sรผdรถstlich des Ortsteils Leipzig-Seehausen vorgeschlagenโ€œ, teilt das Umweltdezernat nun mit.

โ€žAufgrund landwirtschaftlicher Nutzung sowie der vorliegenden Kaltluftleitbahn wurde ein Ausgleich in diesem Bereich abgelehnt. Derzeit findet nochmals eine Prรผfung seitens der Stadtverwaltung statt, ob (Teil-)flรคchen regional in Leipzig fรผr die Kompensation doch genutzt werden kรถnnen.โ€œ

Da ist der nรคchste Konflikt. Denn wenn Landwirtschaftsflรคchen geopfert werden, damit Wald gepflanzt werden kann, stimmt auch was nicht.

Wo und was รผberhaupt kompensiert werden soll, das muss sowieso erst noch geklรคrt werden โ€“ ganz offiziell: โ€žZur Umsetzung der geplanten Freiflรคchen-Photovoltaikanlage auf dem Deponiekรถrper ist ein abfallrechtliches Verfahren erforderlich. Dieses wird durch die Landesdirektion Sachsen durchgefรผhrt. Im Vorfeld der Errichtung des geplanten Vorhabens werden im Rahmen des Genehmigungsverfahrens die Themen Artenschutz, Aufstellung eines landschaftspflegerischen Begleitplanes (LBP) einschlieรŸlich der KompensationsmaรŸnahmen vertiefend geprรผft und durch Hinzuziehung von Fachgutachten unterlegt. Insbesondere im landschaftspflegerischen Begleitplan wird festgelegt, wie die Entfernung der existierenden Bepflanzung zu kompensieren ist.โ€œ

Solarmodule zwischen Grรผnstreifen?

Wobei das Umweltdezernat betont, dass die Westsรคchsische Erneuerbare Energien GmbH und Co. KG (WEE) den Baumbestand nicht unbedingt flรคchig abholzen will: โ€žDie Deponie wird auch nach Errichtung der Anlage einen wesentlichen Beitrag zur Biodiversitรคt leisten und den Anwohnern bleibt ein lebenswertes Umfeld erhalten. Die Freiflรคchen-Photovoltaikanlage wird eigens so konzipiert, dass Grรผnflรคchen zwischen wie auch unterhalb der Modulreihen erhalten bleiben.

Neben der damit einhergehenden Erhaltung der biologischen Vielfalt wird die auf der Deponie geplante PV-Anlage durch die Einsparung erheblicher COโ‚‚-Mengen (รผber eine Nutzungsdauer von ca. 30 Jahren werden COโ‚‚-Einsparungen in Hรถhe von rund 270.000 Tonnen COโ‚‚ erwartet) einen relevanten Beitrag zum Klima- und Artenschutz leisten.โ€œ

Was das Umweltdezernat vorschlรคgt, ist eine direkte Absprache mit dem Ortschaftsrat Seehausen, wo die Kompensationen mรถglichst im Gebiet von Seehausen stattfinden sollen. Das steht zwar noch nicht im direkten Beschlussvorschlag: โ€žDer Oberbรผrgermeister wird beauftragt, nach dem Abschluss aller rechtlichen Rahmenbedingungen, die erforderlichen Ausgleichs- und KompensationsmaรŸnahmen mรถglichst in oder in unmittelbare Nรคhe zum Ortsteil Leipzig-Seehausen zu verorten.โ€œ

Etwas weiter heiรŸt es dann, dass die sich aus dem Zielabweichungsverfahren ergebenden โ€žAusgleichsmaรŸnahmen (โ€ฆ) in Abstimmung mit dem Ortschaftsrat Seehausen abgestimmt und verortet werdenโ€œ sollen.

So sieht der weitere Zeitplan aus

Im August hat die Stadt die Bรผrgerbeteiligung zum Bebauungsplanverfahren fรผr den โ€žEnergiebergโ€œ gestartet, im Juli begannen die Stadtwerke Leipzig eine Bรผrgerbefragung.

Der weitere Zeitplan sieht jetzt laut Umweltdezernat so aus: โ€žDauer bis zum Abschluss des Zielabweichungsverfahrens voraussichtlich bis I. Quartal 2023, abfallrechtliche Genehmigung voraussichtlich bis II. Quartal 2023 und Abwรคgungs- und Satzungsbeschluss im B-Plan-Verfahren voraussichtlich 2024.โ€œ

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AusgkeichsmaรŸnahmenโ€ฆ.รผberall zeigt sich, dass man nichts in der NAtur ausgleichen kann, was man ihr nimmt. Weder auf der sich begrรผnten Kippe noch am Stรถrmthaler See โ€“ รถstlich Grunaer Bucht, wo sich die NAtur ohne Menschenhand in 25 JAhren einfach so auf Bergbau-Abhรคngen breit gemacht hat und nun wieder devastiert werden soll, weil ja wild entstanden. NEIN. Der Mensch muss NAtur Raumgeben. โ€“ โ€“ โ€“ AGRI-PV wรคhre auf den landwirtschlรกftlichen Flรคchen in Seehausen eine Alternative mit Doppelnutzung der benรถtigten QM. Oder macht ALLE Dร„CHER VOLL !!!!!

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