Am 27. Februar berichteten wir รผber die absehbare Verzรถgerung beim Ausstieg der Stadtwerke Leipzig aus den Fernwรคrmelieferungen aus dem Kohlekraftwerk Lippendorf. Ein Grund fรผr die Verzรถgerung ist die spรคtere Fertigstellung eines geplanten Biomassekraftwerks, das einen Teil der Fernwรคrmeproduktion fรผr Leipzig รผbernehmen soll. Die Linksfraktion im Stadtrat hatte dazu angefragt.

Die Antwort des OBM enthielt dann auch die Erlรคuterungen der Stadtwerke Leipzig zu den Grรผnden, warum die Stadtwerke wohl noch 2023/2024 eine verminderte Fernwรคrmelieferung aus dem Kraftwerk Lippendorf benรถtigen, obwohl das neue Gaskraftwerk an der Bornaischen StraรŸe wohl pรผnktlich zum Jahresende 2022 ans Netz gehen wird.โ€žSo musste das Projekt ,Biomasseโ€˜ im 4. Quartal 2019 pausiert werden, auch da das HKW Leipzig Sรผd die hรถchste Prioritรคt im Portfolio hatโ€œ, teilten die Stadtwerke mit.

โ€žDie Arbeiten am Biomassekraftwerk konnten letztendlich erst Ende September 2020 wieder aufgenommen werden. Erst nach Wiederaufnahme der Arbeiten konnte die Grundstรผckssituation geklรคrt werden. Ein daraufhin in Auftrag gegebenes Gutachten ergab nun das Erfordernis der Durchfรผhrung eines Bebauungsplanverfahrens fรผr den sondierten Standort, was zu einer Verzรถgerung um weitere 18 Monate fรผhrt. Aufgrund benannter Verzรถgerungen befindet sich das Biomassekraftwerk derzeit noch in der Entwurfsplanung. Das Genehmigungsverfahren (B-Plan und BImschG Antrag) wird voraussichtlich in 2021 gestartet. Eine Inbetriebnahme kann damit frรผhestmรถglich Ende 2024 erfolgen.โ€œ

Was natรผrlich die Frage aufwirft: Wo soll das neue Biomassekraftwerk eigentlich gebaut werden? Worauf uns die Stadtwerke Leipzig nun mitteilen: โ€žDer derzeit prรคferierte Standort liegt auf unserem ehemaligen Kraftwerksgelรคnde im Sรผdwesten von Leipzig in Kulkwitz. Fรผr den Standort ist voraussichtlich ein Bebauungsplan notwendig. Derzeit lรคuft die Erstellung der notwendigen Planungsunterlagen fรผr B-Plan und BImSchG-Genehmigung. Der zukรผnftige Kraftwerksleiter und Projektleiter der Anlage hat im vergangenen Jahr die Arbeit am Projekt aufgenommen. Die Suche nach weiteren Projektmitarbeitern lรคuft auf Hochdruck.โ€œ

Wir hatten gleich noch ein paar Fragen gestellt, da ja auch unter unseren Leser/-innen die Debatte darรผber entbrannte, wie sinnvoll der Bau von Biomassekraftwerken ist, wenn man die klimaschรคdlichen Emissionen senken will.

Fragen und Antworten:

Welchen Anteil an der Leipziger Wรคrmeproduktion soll das Kraftwerk eigentlich bringen?

Das Kraftwerk soll mit ca. 25 MW Wรคrmeleistung (ca. 10 MW elektrisch) und mit etwa 180 GWh Wรคrmearbeit zur Fernwรคrmeversorgung beitragen. Damit kann das Kraftwerk ca. 11 % der Wรคrmeproduktion bereitstellen.

Und welche Art Biomasse soll da eigentlich verbrannt werden? Und in welcher Menge? Ist รผberhaupt gesichert, dass jederzeit genug Brennmaterial vorhanden ist? Auch langfristig. Oder liege ich falsch mit der Annahme, dass die Biomasse verbrannt wird?

Die endgรผltige Brennstofftechnologie ist noch nicht festgelegt. Das Biomassekraftwerk soll aber voraussichtlich mit Biomasse u. a. aus Waldrestholz aus der Waldbewirtschaftung und auch signifikant mit Volumina aus der Bewirtschaftung in der Stadt Leipzig beliefert werden. Es werden ca. 80.000 Tonnen trockenes Holz benรถtigt. Eine Marktanalyse hat gezeigt, dass ausreichend Brennstoff vorhanden sein wird. Wir werden vor der endgรผltigen Investitionsentscheidung aber entsprechende Liefervertrรคge abschlieรŸen.

Wie wird sich der Betrieb auf die CO2-Bilanz der Stadt auswirken?

Mit dem Kraftwerk kรถnnen wir ca. 160.000 Tonnen CO2 pro Jahr einsparen.

Ist gar eine wirklich neue Technologie beabsichtigt? Wird da z. B. mit dem Biomasseforschungszentrum zusammengearbeitet?

Fรผr das Kraftwerk ist eine erprobte Technologie geplant, die wir รคhnlich auch in den vorhandenen Biomasseanlagen in Bischofferode und Piesteritz einsetzten. Eine Zusammenarbeit mit dem Biomasseforschungszentrum existiert zu diesem Kraftwerk derzeit nicht. Allerdings gibt es aus anderen Projekten grundsรคtzlich eine gute Verbindung zum Forschungszentrum und eine Zusammenarbeit ist auch hier mรถglich.

Um welche Investitionssummen geht es in diesem Fall?

Da die Planungen noch nicht abgeschlossen sind, kann eine Investitionssumme noch nicht angegeben werden.

Wann ist mit Baubeginn und Fertigstellung zu rechnen?

Wenn keine besonderen Probleme im Genehmigungsverfahren entstehen, gehen wir von einem Baubeginn im Jahr 2022 und einer Inbetriebnahme 2024/25 aus.

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Es gibt 4 Kommentare

Liebe Redaktion, ich habe eine Frage hierzu:

โ€œEs werden ca. 80.000 Tonnen trockenes Holz benรถtigtโ€

Pro Monat, pro Jahr, pro welchem Zeitraum? Also ich gehe von Jahr aus, was schon erschreckend genug ist, weil wo sollen diese Massen herkommen? Aber glauben heiรŸt ja nicht wissen.

Und auf welche Berechnungen begrรผndet sich diese Aussage?

โ€œMit dem Kraftwerk kรถnnen wir ca. 160.000 Tonnen CO2 pro Jahr einsparen.โ€

Also ich will es ja nur verstehenโ€ฆ wie man das so berechnet hat und wo diese Zahlen herkommen. Prinzipiell braucht es ja auch einen Vergleich โ€“ also im Vergleich zur Energie aus Lippendorf, oder?

@LZ-Redaktion:
Danke, dass Sie die Fragen aufgegriffen haben! Es soll also wieder ein alter Kraftwerksstandort neu genutzt werden. Kein Wunder, dass das neue Kraftwerk nicht eine Nummer kleiner ausfรคllt.

โ€œEine Marktanalyse hat gezeigt, dass ausreichend Brennstoff vorhanden sein wird.โ€
Ist nicht zurzeit der Holzpreis im Keller wegen des รœberangebots durch die Dรผrrejahre und den Borkenkรคfer? Ich hoffe man plant nicht langfristig damit.

@ Stefan M.: Ja, so siehtโ€™s wohl ausโ€ฆ manchmal bleibt nur die Satireโ€ฆ

Ich sehe schon einen neuen Artikel von iDiv-Professor C. W. et al. in einer biologischen Zeitschrift unserer Zeit vor meinem geistigen Auge:

โ€œ- Biomasseheizkraft als nachhaltiger Beitrag zur Verjรผngung des Leipziger Auwaldes โ€“
Im Leipziger Auwald vergreist zusehends die Eiche. Das Problem ist hinlรคnglich bekannt, auch wenn sogenannte Eichenleugner diese artenreiche Baumart gerne ausrotten mรถchten. Der Leiter des stรคdtischen Forstamtes Herr A. S. und Professor C. W. haben in einem vorbildlichen Schulterschluss ein Totholzkonzept entwickelt, welches nun neben bestandsbildenden Altdurchforstungen, artenangepassten Sanitรคrhieben, historischer Mittelwaldaufwertung und schonender Kleinfemelung die Errichtung eines Biomassekraftwerkes vorsieht. 80.000 Tonnen Biomasse, darunter viel รถkologisch minderwertiges Restholz aus dem Auwald, schaffen Platz fรผr den dringend erforderlichen Waldumbau und die langristige Entwicklung und Sicherung des wertvollen Totholzesโ€ฆโ€

Auch die Leipziger Grรผnen werden begeistert sein. Der umweltpolitische Sprecher J. K. wird im Stadtrat sprechen: โ€œDieses Kraftwerk ist beispielhaft fรผr die nachhaltige Entwicklung unserer Stadt mit dieser einzigartigen grรผnen Infrastruktur. Die grรผne Nutzung von Biomasse aus dem Auwald schafft Platz fรผr einen vitalen Eichenbestand mit wertvollem Totholz. AuรŸerdem werden wir damit nachhaltig die vielen neuen Wohngebiete, Industrieansiedlungen und Impfzentren, fรผr die wir uns tรคglich engagieren, mit grรผnem und nachhaltigem Strom versorgen kรถnnen und somit einen wichtigen Beitrag zum Klimanotstand leisten. Liebe Stadtrรคte: Sagen Sie Ja zum Totoholzkonzept mit integriertem Biomassekraftwerk. Fรผr eine grรผne und nachhaltige Zukunft! Gegen Eichenleugner und Leerdenker!โ€

โ€žDas Biomassekraftwerk soll aber voraussichtlich mit Biomasse u. a. aus Waldrestholz aus der Waldbewirtschaftung und auch signifikant mit Volumina aus der Bewirtschaftung in der Stadt Leipzig beliefert werden. Es werden ca. 80.000 Tonnen trockenes Holz benรถtigt.โ€œ

Da werden sie den Auenwald wohl komplett verbrennen und in Kurzumtriebsplantagen umwandeln mรผssen โ€ฆ

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