Die Stรคdte Leipzig und Halle (Saale) werden in den kommenden Jahrzehnten ihre Rolle als Wachstumskerne im Mitteldeutschen Revier weiter ausbauen. Demgegenรผber stehen insbesondere die peripheren Regionen in den Landkreisen vor groรŸen demografischen und wirtschaftlichen Herausforderungen. Zu diesem Schluss kommt jetzt die von der Metropolregion Mitteldeutschland verรถffentlichte Strukturwandelstudie โ€žSozio-ร–konomische Perspektive 2040โ€œ.

โ€žWรคhrend Leipzig in zwei Jahrzehnten rund 40 Prozent der Erwerbstรคtigen und Bruttowertschรถpfung im Mitteldeutschen Revier auf sich vereinen wird, werden sich der Strukturwandel und der Bevรถlkerungsrรผckgang in den Randlagen der Region schmerzhaft bemerkbar machen. In diesen Teilregionen braucht es neue Lรถsungen zur zukรผnftigen Sicherung der รถffentlichen Daseinsvorsorge und des wirtschaftlichen Wachstumsโ€œ, erklรคrt Werner Bohnenschรคfer, Leiter des Strukturwandelprojektes โ€žInnovationsregion Mitteldeutschlandโ€œ bei der Europรคischen Metropolregion Mitteldeutschland.

โ€žMit dem in der Studie entwickelten sozio-รถkonomischen Rahmen geben wir den Akteuren in den einzelnen Gebietskรถrperschaften eine empirische Basis an die Hand, um mit gezielten MaรŸnahmen zur Regionalentwicklung diesen Herausforderungen zu begegnen.โ€œ

Die im Rahmen des Strukturwandelprojektes โ€žInnovationsregion Mitteldeutschlandโ€œ durch die Prognos AG erarbeitete Studie untersuchte die Entwicklung verschiedener demografischer und wirtschaftlicher Faktoren bis zum Jahr 2040 im Mitteldeutschen Revier, u. a. die Zahl der Einwohner und Haushalte und den sich daraus ergebenden Bedarf an Wohnflรคchen, Kinderbetreuung, Ausbildung und Pflegeplรคtzen sowie die Entwicklung der Bruttowertschรถpfung, Erwerbstรคtigen und Einkommen in der Region.

Bevรถlkerung im Mitteldeutschen Revier wird weniger, รคlter und pflegebedรผrftiger

So prognostiziert die Studie bis zum Jahr 2040 einen Rรผckgang der Gesamtbevรถlkerung im Mitteldeutschen Revier von rund 3,6 Prozent bzw. 73.000 Personen. Wรคhrend die Stadt Leipzig ihre Einwohnerzahl weiter deutlich steigern wird (+16,6 Prozent), verlieren die Landkreise Mansfeld-Sรผdharz (-25,7 Prozent), das Altenburger Land (-21,4 Prozent) und der Burgendlandkreis (-20,3 Prozent) im gleichen Zeitraum weiter massiv Einwohner.

Zugleich steigt der Anteil der Personen im rentenfรคhigen Alter an der Gesamtbevรถlkerung von 24,9 Prozent im Jahr 2018 auf 27,7 Prozent in 2040. Weiter zunehmen wird auch die Anzahl der pflegebedรผrftigen Bevรถlkerung. Laut der Prognose steigt die Zahl der Pflegebedรผrftigen bis 2040 um 21.000 Personen, ein Zuwachs von 22 Prozent. Bezogen auf die Zahl der Einwohner wird sich der Anteil der Pflegebedรผrftigen in der Region von 4,8 Prozent im Jahr 2017 auf 6,1 Prozent im Jahr 2040 erhรถhen.

Zahl der Erwerbstรคtigen sinkt โ€“ Fachkrรคftemangel verschรคrft sich in Teilregionen

Infolge der demografischen Entwicklung wird auch die Zahl der Erwerbstรคtigen in der Region um insgesamt 13,4 Prozent auf 855.000 Personen im Jahr 2040 sinken. Die Entwicklung in den Stรคdten ist dabei mit Rรผckgรคngen zwischen 2,7 Prozent (Leipzig) und 8,5 Prozent (Halle) eher moderat. Im Vergleich dazu zeigen sich bei den Landkreisen in Thรผringen und Sachsen-Anhalt signifikante Einbrรผche zwischen 23,4 Prozent (Anhalt-Bitterfeld) und 29,5 Prozent (Mansfeld-Sรผdharz).

Im Abgleich zwischen Arbeitskrรคftepotenzial und -bedarf wรคchst der รœberschuss an Arbeitskrรคften bis zum Jahr 2040 um insgesamt rund 9,0 Prozent. Davon profitieren aber lediglich die beiden kreisfreien Stรคdte Leipzig und Halle (Saale). Ohne sie zeigt sich ein Rรผckgang von rund 27,1 Prozent. Zwar รผbersteigt die Zahl der Erwerbsfรคhigen im Jahr 2040 auch in allen Landkreisen die Zahl des Arbeitskrรคftebedarfs.

Gleichwohl sinkt der รœberschuss in einigen Teilregionen teils dramatisch und verschรคrft damit den teilweise bereits heute vorhandenen Mangel an spezifischen Fachkrรคften in einigen Branchen.

Wirtschaft im Mitteldeutschen Revier wรคchst weiter โ€“ aber unter Bundesdurchschnitt

Die Bruttowertschรถpfung im Mitteldeutschen Revier wird laut der Prognose im Zeitraum 2019 bis 2040 um rund 85 Prozent auf 106,9 Mrd. Euro (nominal) steigen. Damit liegt die Region zwar รผber dem Wachstum der Bundeslรคnder Sachsen-Anhalt (+69 Prozent) und Thรผringen (+77 Prozent), bleibt aber unterhalb der bundesweiten Wachstumsprognose von 91 Prozent.

Wachstumsmotoren bleiben auch zukรผnftig die Stรคdte Leipzig und Halle (Saale), die ihre Wirtschaftsleistung bis 2040 gegenรผber dem Jahr 2019 um 107 Prozent und 93 Prozent steigern kรถnnen. Allein Leipzig ist dann fรผr rund 40 Prozent der Bruttowertschรถpfung im Mitteldeutschen Revier verantwortlich.

Bei den Landkreisen verzeichnet Nordsachsen mit einem Plus von etwa 87 Prozent bis zum Jahr 2040 das hรถchste Wachstum, gefolgt vom Landkreis Leipzig mit 77 Prozent. Die geringsten Zuwรคchse entfallen, relativ betrachtet, auf die beiden Landkreise Mansfeld-Sรผdharz und den Burgenlandkreis mit 51 Prozent bzw. 52 Prozent.

Schwerpunktbranchen als Wachstumstreiber โ€“ auch mit Risiken behaftet

Darรผber hinaus untersucht die Studie die Chancen und Risiken bis zum Jahr 2040 fรผr insgesamt sieben Technologiefelder, die in den kommenden Jahren fรผr eine prosperierende und zukunftsfeste wirtschaftliche Entwicklung in der Region sorgen sollen:

โ–ถ Chemische Industrie
โ–ถ Energiewirtschaft
โ–ถ Mobilitรคt & Logistik
โ–ถ Tourismuswirtschaft
โ–ถ Gesundheitswirtschaft
โ–ถ IT-Wirtschaft

Diese Branchen vereinen bereits heute 33,9 Prozent der Bruttowertschรถpfung und 34,9 Prozent aller Erwerbstรคtigen in der Region auf sich. Diese Anteile werden bis zum Jahr 2040 auf 36,0 Prozent bzw. 35,4 Prozent steigen.

Besonderes Wachstumspotenzial bescheinigt die Untersuchung vor allem der Gesundheitswirtschaft sowie der Logistik, die in den beiden Stรคdten und allen Landkreisen des Mitteldeutschen Reviers ansรคssig sind. Besondere Chancen, aber auch Risiken fรผr die wirtschaftliche Entwicklung der Region bieten dagegen die vor allem im Saalekreis ansรคssigen Bereiche Chemie und Energiewirtschaft.

รœber das Strukturwandel-Projekt โ€žInnovationsregion Mitteldeutschlandโ€œ: Im Projekt โ€žInnovationsregion Mitteldeutschlandโ€œ entwickelt die Europรคische Metropolregion Mitteldeutschland mit den Landkreisen Altenburger Land, Anhalt-Bitterfeld, Burgenlandkreis, Leipzig, Mansfeld-Sรผdharz, Nordsachsen und Saalekreis sowie den Stรคdten Halle (Saale) und Leipzig neue Strategien und Projekte fรผr den Strukturwandel in der Region.

Das Vorhaben wird im Rahmen der Bund-Lรคnder-Gemeinschaftsaufgabe โ€žVerbesserung der Regionalen Wirtschaftsstrukturโ€œ (GRW) durch den Bund, den Freistaat Sachsen, das Land Sachsen-Anhalt und den Freistaat Thรผringen gefรถrdert.

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