Es wird noch scheppern in der schwarz-grรผn-roten Koalition in Sachsen. Denn sie ist mit einem Baufehler gestartet, der schon ein Jahr nach Start der Koalition zeigt, dass damit alle Modernisierungsversuche aus den kleineren Parteien abgeblockt werden kรถnnen. Die Grรผndung eines Ministeriums fรผr Regionalentwicklung war ein genialer Schachzug der CDU, kรถnnte man sagen. Wenn es fรผr Sachsens Klimazukunft nicht eine ausgemachte Katastrophe wรคre. Das thematisiert einmal mehr der zunehmend frustrierte Landesverband WindEnergie.
Anlass ist eine รuรerung des Sรคchsischen Staatsministers fรผr Regionalentwicklung Thomas Schmidt (CDU) am 12. Oktober in der โSรคchsischen Zeitungโ, dass Gemeinden dem Bau von Windenergieanlagen zustimmen mรผssten, โwenn sich Flurstรผcke ihres Gebietes innerhalb des Radius von 1.000 Meter um die zu errichtenden Windenergieanlagen befinden und diese eine geplante Hรถhe von mindestens 100 Meter haben sollen.โ (Sรคchsische Zeitung Dresden Nord, 12.10.2020)
Aus Sicht des Bundesverbands WindEnergie (BWE), Landesverband Sachsen, genau der Sargnagel, der Sachsens Plรคne zur Energiewende genau da beendet, wo sie eigentlich beginnen mรผssten.
โDie sรคchsische Landesregierung hat im Koalitionsvertrag hohe Ziele fรผr den Ausbau klimafreundlicher und erneuerbarer Energien in Sachsen beschlossen. Diese Ziele werden jetzt von Teilen der Landesregierung allerdings massiv konterkariertโ, erinnert Prof. Martin Maslaton, Landesvorsitzender beim BWE Sachsen.
โDie Signale, die die Landesregierung bei der Flรคchenausweisung fรผr Erneuerbare aussendet, sind chaotisch. Fรผr Industrie und Wirtschaft ist das fatal. Wir brauchen Planungssicherheit und ein klares Bekenntnis zu den gรผnstigen und klimafreundlichen Energietrรคgern Wind und Solar.โ
Bis 2024 will die sรคchsische Landesregierung laut Koalitionsvertrag zusรคtzlich jรคhrlich vier Terawattstunden Energie aus Erneuerbaren Energien gewinnen, wobei โder Hauptteil durch Windenergie gewonnen werden sollโ (โKoalitionsvertag 2019 bis 2014โ, S. 38). Der dafรผr nรถtige Zubau neuer Windenergieanlagen ist im Freistaat allerdings fast vollstรคndig zum Erliegen gekommen.
Ein Grund: In den Regionalplรคnen sind nicht ausreichend Flรคchen fรผr die Nutzung von Windenergie ausgewiesen. Denn die 1.000-Meter-Abstandsregel zur nรคchsten Wohnbebauung sorgt dafรผr, dass kaum noch Flรคchen existieren, auf denen neue Windkraftanlagen gebaut werden kรถnnen. Und alte Anlagen kรถnnen nicht durch leistungsstรคrkere neue ersetzt werden, weil auch hier diese Regel dazu fรผhrt, das รคltere Standorte rรผckgebaut werden mรผssen.
Was nicht nur in Sachsen praktisch zum Stopp des Windkraftausbaus gefรผhrt hat. Dieselben Effekte sieht man auch in Bayern, woher die Bremsidee mit den 1.000 Metern nach Sachsen importiert wurde.
Aber was Schmidt sagt, ist noch eine Nummer schรคrfer, wie der BWE feststellt: Der zitierte Vorschlag von Staatsminister Schmidt ist dabei restriktiver, als alle derzeit ernsthaft diskutierten Abstandsregeln: Gรคngige Windenergieanlagen sind schon seit gut 20 Jahren hรถher als 100 Meter, deswegen wรคre jede moderne Windenergieanlage betroffen. Bei der Debatte um Mindestabstรคnde geht es in der bisherigen Diskussion um Abstรคnde zu Wohnsiedlungen, nicht um die zu Flurstรผcken einer Gemeinde.
โWรผrde der Vorschlag von Herrn Schmidt umgesetzt, hรคtte praktisch fรผr jede geplante Windenergieanlage in Sachsen auch eine Gemeinde ein Blockaderechtโ, erklรคrt Maslaton. Erfahrungen aus anderen Bundeslรคndern wie Bayern zeigen, dass das de facto einen Ausbaustopp der Windenergie bedeutet. โWenn sich die Koalition in Sachsen weiterhin selbst ausbremst, steuert Sachsen auf ein massives Energieproblem zu.โ
Und Thomas Schmidt, der zuvor als Umweltminister im Amt war, hat nun ausgerechnet als Minister fรผr Regionalentwicklung auch die Hoheit รผber den Windkraftausbau. Und so, wie er an das Thema herangeht, schreddert er die Vereinbarung aus dem Koalitionsvertrag schon im ersten Schritt.
Denn was bedeuten die im Koalitionsvertrag vereinbarten 4 zusรคtzlichen Terawattstunden? In der Gesamtbilanz wenig. In Sachsen werden jedes Jahr รผber 40 Terawattstunden an Strom produziert, der grรถรte Teil aus der klimaschรคdlichen Braunkohle. Ganze 6 Terawattstunden stammen aus Erneuerbaren Energien wie Windkraft. Photovoltaik, Wasserkraft. Der Wert stagniert schon seit 2015. Mit 4 zusรคtzlichen Terawatt wรผrde Sachsen immer noch nur ein Viertel der Energieproduktion aus Erneuerbaren bestreiten.
Beim Verbrauch ist es etwas anders. Denn weil Sachsen seine Kohlekraftwerke weiterlaufen lรคsst, produziert der Freistaat jedes Jahr einen Stromรผberschuss von 15 Terawattstunden, der natรผrlich exportiert wird. Nur 26 Terawattstunden werden auch in Sachsen verbraucht. 10 Terawattstunden aus Erneuerbaren wรผrden da schon stรคrker ins Gewicht fallen.
Es kรถnnte die Tragik dieser Regierung werden, dass alle wichtigen Weichenstellungen zur Energiewende und zum Klimaschutz auch die nรคchsten vier Jahre wieder blockiert werden und Sachsen beim Ausbau der Erneuerbaren endgรผltig zum Schlusslicht in Deutschland wird und die Chance, rechtzeitig aus der Kohle auszusteigen, gnadenlos verpasst.
Bundesverband Windenergie Sachsen befรผrchtet fรผr den Windkraftausbau in Sachsen jahrelangen Stillstand
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