Der Stadtbezirksbeirat Nordost hatte einstimmig fรผr die Straรenbenennung votiert. Unter den Leipziger Frauen, die Geschichte machten, wird sie auf der Seite der Stadt Leipzig gewรผrdigt. Ach ja, bekennende Sozialistin war sie auch noch. Ein richtiges rotes Tuch fรผr Leute wie den in Dรผsseldorf geborenen AfD-Rechtsanwalt Roland Ulbrich, der auch schon mal mit antisemitischen Zungenschlรคgen โ wie nach dem Anschlag in Halle โ auffรคllt. Aber wenn er รผber Frauen wie Lore Mallachow spricht, kommt auch seine Misogynie zum Vorschein.
Denn nichts anderes zelebrierte er, als er am 12. Februar zu Tagesordnungspunkt 18.3 ans Rednerpult marschierte und aus der Leipziger Schriftstellerin Lore Mallachow (1894โ1973) durch รbertreibung einfach mal eine knallharte Funktionรคrin machte. Ohne jegliche Kenntnis der frรผhen Jahre der DDR, in denen Lore Mallachow unter anderem den Deutschen Schriftstellerverband und den Demokratischen Frauenbund Deutschlands mitgrรผndete und auch fรผr ein paar Jahre im Leipziger Stadtrat saร.
Eine Frau, die โ wie viele andere Frauen โ den Neuanfang im Osten auch als Chance begriff, selbst tรคtig zu werden, aus Deutschland nach den finsteren Jahren des Faschismus (in AfD-Sprech: โVogelschiss der Geschichteโ) wieder ein menschlicheres Land zu machen. Und dass Lore Mallachow auch nach ihren Erfahrungen in den Jahren davor besonders Frauen in den Mittelpunkt ihrer Bรผcher stellte, brachte nach Ulbrichs wilder Rede die Stadtrรคtin der Linken Beate Ehms auf den Punkt.
Mallachow schrieb zum Beispiel Bรผcher รผber Annette von Droste-Hรผlshoff, รผber Bettina von Arnim und Christiane Vulpius. Aber fรผr Leipzig besonders wichtig: Auch รผber Clara Schumann, Louise Otto-Peters und Clara Zetkin schrieb sie, die alle drei in Leipzig wirkten.
Misogynie in Blau
Mallachow wird nicht grundlos in der Reihe der Frauen gefรผhrt, die in und fรผr Leipzig Geschichte machten. Und wer so tut, als wรคre das fรผr Frauen in der frรผhen DDR nicht opportun gewesen und sie hรคtten sich in den offiziellen Strukturen des Landes nicht derart engagieren dรผrfen, der hat nicht unbedingt selbst ein fortschrittliches Weltbild. Im Gegenteil.
Alle Argumente, die Ulbrich vortrug, waren nichts anderes, als das, was eine Lore Mallachow auch in der frรผhen DDR versuchte, zur Unterstรผtzung eines verbrecherischen Staates zu erklรคren.
Hier lรคge aber eine Lebensleistung vor, die insgesamt betrachtet werden mรผsste, sagte CDU-Stadtrรคtin Sabine Heymann.
Das Ergebnis? Ganz deutlich: Der รnderungsantrag der AfD-Fraktion, die Straรenbenennung fรผr Lore Mallachow in Schรถnefeld zu verwehren, fand nur die Stimmen der ziemlich misogynen AfD-Fraktion und wurde mit 8:51 Stimmen abgelehnt.
Alle Straรennamen positiv votiert
Einen รnderungsantrag gab es auch zur Benennung einer Straรe mit dem Namen Arenablick in Lindenau zwischen Cottaweg und Capastraรe. Der Stadtbezirksbeirat Alt-West hatte hier eine Zurรผckverweisung in die AG Straรenbenennung beantragt.
Begrรผndung: โDer Stadtbezirksbeirat Alt-West weist darauf hin, dass in der Beiratssitzung am 13.11.2024 kommuniziert wurde, dass die AG Straรenbenennung den Vorschlag Arenablick abgelehnt hรคtte und es im Raum stehe, diese Straรe nach einer Fuรballerin zu benennen. Des Weiteren bietet der Stadtbezirksbeirat Alt-West an, aktiv die Benennung mit Vorschlรคgen zu unterstรผtzen und fordert auch die Einbeziehung dessen Vorschlรคge.โ
Aber auch dem folgte die Ratsmehrheit nicht. Mit der Folge, dass direkt รผber die von der Stadt vorgeschlagenen Straรenneubenennungen abgestimmt werden konnte. Und allesamt erhielten sie eine komfortable Mehrheit. Das betrifft auch die Lore-Mallachow-Straรe in Schรถnefeld. Der heftige Angriff Roland Ulbrichs hat also gar nichts gebracht.
In Althen-Kleinpรถsna bekommt eine Privatstraรe den Namen Schneiderhof, die Privatstraรe am RB-Gelรคnde bekommt den Namen Arenablick. Im neuen Wohnquartier zur Alten Brauerei in Lรผtzschena/Stahmeln gibt es kรผnftig โ in Erinnerung an die Sternburg-Brauerei โ die Sudhausstraรe und die Mรคlzereistraรe. Ein Teil der Brรผderstraรe wird zur Jablonowskistraรe.
Und der sรผdliche Teil des Marienweges heiรt kรผnftig Zum Wackelturm. Eine Benennung, รผber die am 12. Februar der halbe Stadtrat kicherte. Denn mit Wackelturm wird im Volksmund der Aussichtsturm auf dem Rosentalhรผgel bezeichnet, der tatsรคchlich ordentlich wackeln kann, wenn der Wind weht.
Was bleibt nach dieser Runde? Mal wieder die Erkenntnis, dass die AfD jede Vorlage zum Vorwand nimmt, die sich anbietet, um ihr seltsames und vorgestriges Weltbild zu verkรผnden. Zu dem eben auch eine tief verwurzelte Verachtung fรผr Frauen steckt.
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