Vor 34 Jahren, am 26. April, ereignete sich die Reaktorkatastrophe im Kernkraftwerk Tschernobyl. Bis heute ein exemplarisches Beispiel fรผr die mรถglichen Folgen eines Reaktorunfalls. Zwar weiรŸ man so einiges รผber die radioaktiven Wolken, die damals auch รผber Deutschland hinwegzogen. Aber bislang hat noch niemand ausgerechnet, was das alles Deutschland gekostet hat. Das hat Greenpeace Ernergy jetzt veranlasst.

Die Folgen der Atomkatastrophe von Tschernobyl am 26. April 1986 haben alleine den deutschen Staat bislang mehr als eine Milliarde Euro gekostet. Das geht aus aktuellen Berechnungen hervor, die das Forum ร–kologisch-Soziale Marktwirtschaft (Fร–S) im Auftrag des ร–koenergieanbieters Greenpeace Energy erstellt hat.

Zudem belasten danach auch 34 Jahre nach der Katastrophe jรคhrliche Ausgaben in zweistelliger Millionenhรถhe den deutschen Haushalt. Weltweit hat der Atomunfall in der Ukraine Folgekosten von umgerechnet 646 Milliarden Euro verursacht.

โ€žTschernobyl ist auch nach Jahrzehnten noch immer eine teure Hypothek, die die รถkologischen und finanziellen Risiken der Atomkraft offenlegtโ€œ, sagt Sรถnke Tangermann, Vorstand von Greenpeace Energy.

Fรผr Deutschland setzen sich die bisher entstandenen Kosten aus ganz verschiedenen Komponenten zusammen: So wurde hierzulande in der Folge des Reaktorunglรผcks ein nationales Messsystem zur รœberwachung der Umweltradioaktivitรคt (IMIS) installiert, das bisher mit Kosten von 312 Millionen Euro zu Buche schlug. AuรŸerdem zahlte der Staat 332 Millionen Euro Entschรคdigungen an die Land- und Jagdwirtschaft, deren Erzeugnisse radioaktiv kontaminiert wurden.

Weitere 59 Millionen Euro flossen als Ausgleich an Molkereibetriebe und in die Endlagerung verstrahlter Molke. Einen weiteren groรŸen Anteil machten Hilfen fรผr die Katastrophenbewรคltigung in der Ukraine aus โ€“ wie etwa den Bau einer Schutzhรผlle um den havarierten Reaktor. Deutschland beteiligte sich direkt an diesen MaรŸnahmen mit 156 Millionen Euro und รผber seinen EU-Anteil noch einmal mit 265 Millionen Euro.

Einige dieser Kosten โ€“ wie das IMIS-Messsystem und die Beteiligung an den SchutzmaรŸnahmen in der Ukraine โ€“ belasten auch weiterhin den deutschen Haushalt, allein 2020 mit etwa 43 Millionen Euro.

โ€žAngesichts der aktuellen Waldbrรคnde im Umfeld des ukrainischen Unfallreaktors und der dadurch mรถglichen Verbreitung radioaktiver Teilchen dรผrften diese Kosten nun sogar noch ansteigenโ€œ, sagt Sรถnke Tangermann. Laut Medienberichten will die Bundesregierung angesichts der derzeitigen Lage zum Beispiel Spezialmaterial im Wert von 230.000 Euro zur Verfรผgung stellen.

Und das sind nur die deutschen Kosten. Andere Lรคnder waren ja bei der Sicherung des explodierten Reaktors ebenfalls mit Millionenbetrรคgen beteiligt, etliche hatten รคhnliche landwirtschaftliche Schรคden. Und die direkten wirtschaftlichen und gesundheitlichen Folgekosten ergaben sich vor allem in den Gebieten direkt in der Region Tschernobyl und in den angrenzenden Regionen, wo nach Hochrechnungen mehrere tausend Menschen an Krebs erkrankten und daran starben.

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