So geht das nicht wirklich. Als das Dezernat Jugend, Soziales, Gesundheit und Schule im Mai die Vorlage zum Erweiterungsbau der Apollonia-von-Wiedebach-Schule รถffentlich machte, fielen nicht nur die Anrainer aus allen Wolken. Das neue Projekt hatte mit den Auskรผnften und Ankรผndigungen aus den Vorjahren nichts mehr zu tun. Am 10. Juni soll eigentlich die Ratsversammlung รผber den Bau entscheiden. Aber jetzt gibt es auch eine Petition.
Frisch eingestellt auf der โBรผrgerserviceโ-Seite der Stadt listet sie alle Argumente auf, die gegen den geplanten Bau sprechen.
Ursprรผnglich geplant war der Erweiterungsbau an der Nordseite der Schule zur Scheffelstraรe hin. Aber da gab es Einspruch vom Denkmalschutz, da wรผrde die Stirnseite des Schulgebรคudes zu sehr beeintrรคchtigt. Doch noch 2019 betonte die Stadt, dass der Erweiterungsbau dort erfolgen sollte. Und auch im April noch wurde den Stadtrรคten in der Liste mit den geplanten Schulerweiterungsbauten ein Erweiterungsbau an der Nordseite offeriert.
Doch im Mai war auf einmal alles anders, war ein viel grรถรerer Erweiterungsbau nun mitten auf den von groรen Bรคumen bestandenen Schulhof gesetzt worden, deutlich teurer als die erste Variante, aber augenscheinlich schon im August 2019 so geplant, denn da wurde schon der entsprechende Fรถrderantrag gestellt.
Und nun sollte das Projekt quasi im Schweinsgalopp durch die Gremien gejagt werden.
Der Fachausschuss Stadtentwicklung und Bau wurde sogar fast als Letzter auf die Terminliste gesetzt. Am Dienstag, 2. Juni, sollte er Stellung beziehen zu dem Bauvorhaben. Am nรคchsten Tag war der Stadtbezirksbeirat Sรผd dran. Der stimmte dem Bauvorhaben zu. Denn geรคndert hat sich ja an der Tatsache, dass der Erweiterungsbau gebraucht wird, nichts. Und die Stadt hat ja schon Tatsachen geschaffen.
Schon im Februar wurden auf dem Schulhof 20 alte und teilweise unter Schutz stehende Bรคume mit kurzfristiger Genehmigung des Umweltschutzamtes gefรคllt, zwei Tage vor Ende der Fรคllsaison, denn nachdem sich jahrelang nichts getan hatte, will man jetzt in den Sommerferien mit dem Bau beginnen.
Das kam im Fachausschuss Stadtentwicklung und Bau gar nicht gut an. Dort ist man es mittlerweile gewohnt, dass wichtige Beschlussvorlagen erst mit jahrelanger Verspรคtung zur Beratung kommen, dann sind sie oft nicht durchdacht, fehlen wichtige Aspekte und entscheidende Fragen sind nicht geklรคrt.
Das trifft auch auf die Vorlage zum Erweiterungsbau der Appolonia-von-Wiedebach-Schule zu. Und besonders sauer stieร im Ausschuss die Tatsache auf, dass es zu diesem Bau keine Bรผrgerbeteiligung gab, von einer frรผhzeitigen Information aller Beteiligten ganz zu schweigen.
Auch das ein Muster, das sich bei wichtigen Bauvorhaben in Leipzig eingeschlichen hat: Bรผrgerbeteiligung wird einfach ausgehebelt, indem Vorlagen so spรคt in die Beratung kommen, dass vor dem geplanten Baubeginn gar keine Beteiligungsprozesse mehr organisiert werden kรถnnen.
Die Ergebnisse sind in der Regel fatal: Es werden Bรคume gefรคllt und jahrzehntealte Biotope zerstรถrt, ohne dass die Umweltverbรคnde auch nur prรผfen kรถnnen, ob damit wichtige Schutzgรผter vernichtet werden. Es werden Flรคchen unter der Behauptung versiegelt, man brauche sie unbedingt als Parkplatz โ auch wenn sie hinterher gar nicht gebraucht werden. Und die Architektur stammt aus dem Baukasten und passt nicht ansatzweise ins Straรenbild. Mittlerweile kommen auch fehlende Mehrfachnutzungen hinzu, seit in Leipzig Freiflรคchen fรผr Neubau fehlen.
Letzteres hat man beim geplanten Neubau der Apollonia-von-Wiedebach-Schule zumindest beachtet. Aber gleichzeitig verbaut man einen Schulhof, der fรผr die wachsende Schรผlerzahl (von 500 auf 800) dringend gebraucht wird. Die Schulleitung will das mit getakteten Pausenzeiten fรผr die Schรผler/-innen lรถsen.
Auch der Fachausschuss Stadtentwicklung und Bau zweifelt nicht daran, dass ein Erweiterungsbau dringend notwendig ist. Aber die Vorlage zeigte nur zu offensichtlich, dass sich hier die Planer nicht einmal Gedanken darรผber gemacht hatten, Stadtrรคte und Bรผrger mรถglichst frรผhzeitig einzubinden. Das spรคte Einbringen ins Verfahren erzwingt geradezu eine รผberstรผrzte Akzeptanz des Vorhabens.
Aber das lieรen sich die Ausschussmitglieder so nicht gefallen: Die meisten enthielten sich bei der Abstimmung รผber die Vorlage, fรผnf stimmten dagegen.
Das sieht nicht danach aus, dass die Vorlage am 10. Juni im Stadtrat eine unhinterfragte Zustimmung bekommt.
Die Stadt will die Apollonia-von-Wiedebach-Schule schon ab dem Sommer sanieren und um einen Neubau im Schulhof erweitern
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