Am 14./15. Juli jรคhrt sich die Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Andauernder Starkregen fรผhrte in der Region zu รberflutungen. Mehr als 180 Menschen verloren ihr Leben, unzรคhlige Hรคuser, Betriebe und Einrichtungen wurden zerstรถrt. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) leistete unmittelbar Soforthilfe, trรคgt bis heute zur infrastrukturellen Stabilisierung bei und hat Projekte zu Wiederaufbau, Stรคrkung und Vorsorge angelegt. Auch die Hilfsbereitschaft aus Sachsen war enorm.
Hunderte Rotkreuz-Einsatzkrรคfte aus Sachsen engagierten sich im Katastrophengebiet. Vor Ort waren unter anderem Mitglieder des Kriseninterventionsteams des DRK aus Zittau, welche den traumatisierten Menschen vor Ort Halt und Perspektive gaben oder auch die Schnelleinsatzgruppe Versorgung des DRK Dรถbeln-Hainichen, welche in Sinzig einen Verpflegungspunkt fรผr Einsatzkrรคfte und Bewohnerinnen und Bewohner einrichteten.
Nicht zuletzt war auch die humanitรคre Logistik aus Sachsen gefragt und organisierte dringend gebrauchte Hilfsgรผter. Viele Einsatzstunden wurden aufgewendet, um in Grafschaft einen Verpflegungsplatz fรผr 10.000 Mahlzeiten pro Tag zu betreiben.
โDer Umfang sรคchsischer Zeitspenden machen uns stolz und dankbar zu gleich. Sie fรผhren uns gleichermaรen vor Augen, wie wichtig ehrenamtliches Engagement im Bevรถlkerungsschutz ist. Gerade im Angesicht der jรผngsten Krisen und Katastrophen brauchen wir langfristig eine Stรคrkung des Ehrenamtesโ, so Dr. Nicole Porzig, Mitglied des Vorstandes im DRK Landesverband Sachsen e.V.
Eine der wichtigsten Lehren fรผr das Deutsche Rote Kreuz in Sachsen: die eigene Einsatzfรคhigkeit, unabhรคngig von staatlichen oder kommunalen Entscheidungen, auszubauen. Daher wurde im Roten Kreuz Sachsen ein รผberwiegend aus Spendenmitteln finanziertes Investitionsprogramm in Hรถhe von 1,5 Millionen Euro aufgelegt, um Fahrzeuge und Einsatzmittel zu beschaffen. Diese Landesverstรคrkung wird unter anderem aus speziellen Anhรคngern fรผr die Wasserrettung bestehen wie auch aus Fahrzeugen, die z.B. Beratungsangebote und Soforthilfen fรผr Betroffene direkt vor Ort im Schadensgebiet anbieten kรถnnen.
Sachsen ist durch die schmerzlichen Erfahrungen von 2002, 2010 und 2013 gut auf Hochwasserlagen vorbereitet. Trotzdem gibt es auch fรผr den Freistaat Verbesserungspotential. Erstens sind Sturzfluten in Tallagen wie im Ahrtal auch in Sachsen mรถglich und die Einheiten des Bevรถlkerungsschutzes dafรผr unzureichend ausgestattet. Sie verfรผgen weder รผber Allradfahrzeuge, noch kรถnnen sie รผber einen lรคngeren Zeitraum autark agieren.
Zweitens wurde am Beispiel des Unglรผcks im Ahrtal sichtbar, dass durch Eigenbetroffenheit lokale Entscheidungsstrukturen nicht mehr in der Lage sind ihren Krisen-Aufgaben nachzukommen. Sinnvoll ist es daher, dass zukรผnftig auch der Freistaat selbst den Katastrophenfall ausrufen kann. Drittens fehlt es an einer Gefรคhrdungsanalyse fรผr Sachsen und darauf aufbauende, einheitliche Einsatzkonzepte, insbesondere fรผr die Betreuung von Menschen รผber einen lรคngeren Zeitraum hinweg.
In Anbetracht von alten und neuen Krisenszenarien wie Pandemie, Energie- und Versorgungskrisen, Krieg und Naturkatastrophen appelliert das Deutsche Rote Kreuz auch an die Bevรถlkerung sich besser vorzubereiten. โWir haben in den letzten 30 Jahren verlernt Lebensmittel und Getrรคnke zu bevorraten, einen Tag ohne Strom zurechtzukommen, unsere Erste Hilfe Kenntnisse aktuell zu halten und Warnungen ernst zu nehmen.
Wir sollten uns auch mental darauf vorbereiten, zumindest kurzfristig nicht die Hilfen zu erhalten, an die wir uns im Alltag gewรถhnt haben. Katastrophenschutz beginnt bei der Eigenvorsorge und geht jede Bรผrgerin und jeden Bรผrger anโ, so Dr. Nicole Porzig.
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