Es war ein Paukenschlag, als zu Beginn des Jahres 2013 bekannt wurde, dass Oberรคrzte am Uniklinikum Leipzig in mehr als 30 Fรคllen die Daten ihrer Patienten manipuliert hatten. Sie wollten damit die Wahrscheinlichkeit fรผr eine Organspende erhรถhen. Mehr als fรผnf Jahre spรคter hat das Oberlandesgericht Dresden entschieden, dass gegen die handelnden Personen kein Gerichtsprozess stattfinden wird. Die Konsequenzen sind jedoch auf anderer Ebene spรผrbar: Im vergangenen Jahr hat die Spendenbereitschaft in Deutschland ein historisches Tief erreicht.

Der Organspendeskandal am Universitรคtsklinikum Leipzig bleibt ohne juristische Folgen. Das geht aus einem Beschluss des Oberlandesgerichts Dresden vom 2. Mai 2018 hervor. Dieses verwarf eine Beschwerde der Staatsanwaltschaft gegen die Entscheidung des Landgerichts Leipzig, kein Hauptverfahren gegen zwei ehemalige Oberรคrzte zu erรถffnen.

Anfang 2013 war bekannt geworden, dass ร„rzte am Leipziger Uniklinikum bei mehreren Patienten falsche Angaben zu deren Gesundheitszustand gemacht hatten, um die Wahrscheinlichkeit fรผr eine Organspende zu erhรถhen. Laut Klinikum war dies bei 37 Personen der Fall. ร„hnliche Vorfรคlle gab es auch in anderen Stรคdten.

Die Staatsanwaltschaft leitete daraufhin sowohl gegen die beiden Oberรคrzte als auch gegen den damaligen Chefarzt der Transplantationsklinik ein Ermittlungsverfahren ein. Letzteres wurde jedoch eingestellt. Die Anklage warf den beiden Oberรคrzten versuchten Totschlag in 31 Fรคllen vor, da andere Patienten benachteiligt wurden.

In einem รคhnlichen Fall in Gรถttingen entschieden die Gerichte, dass nicht nachgewiesen werden konnte, dass eine solche Benachteiligung zum Tod gefรผhrt hat. Auf dieses Urteil verwies spรคter das Landgericht Leipzig.

Der Organspendeskandal bleibt somit offenbar ohne juristische Konsequenzen, hatte aber andere Folgen: In Gรถttingen sind die Gehรคlter der ร„rzte nicht mehr von der Anzahl der Transplantationen abhรคngig. Zudem wurde das Transplantationsgesetz mehrmals รผberarbeitet. Gravierende Folgen hatte der Skandal vor allem fรผr Menschen, die seitdem auf eine Transplantation warten: Die Zahl der Organspender ist in den folgenden Jahren dramatisch gesunken und hat 2017 ein historisches Tief erreicht.

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โ€œGravierende Folgen hatte der Skandal vor allem fรผr Menschen, die seitdem auf eine Transplantation warten: Die Zahl der Organspender ist in den folgenden Jahren dramatisch gesunken und hat 2017 ein historisches Tief erreicht.โ€
Ja, da bestraft man ungewollt die falschen. Mal abgesehen vom Motiv der ร„rzte und dass das Ganze natรผrlich moralisch verwerflich ist โ€“ Leben gerettet hat trotz allem jede dieser Transplantationen. Nicht immer das, welches grad dafรผr vorgesehen gewesen wรคre, aber auch weiter hinten auf der Liste stehen ja auch nur Menschen, die Leben wollen. Und dass man als Betroffener in so einer Situation nicht unbedingt an andere denkt, denen es noch schlechter geht ist wahrscheinlich nur menschlich. Aber deshalb als mรถglicher Spender die eigenen Organe lieber mit dem Rest des Kรถrpers vermodern lassen, damits ja kein โ€œFalscherโ€ bekommt, ist ebenso verwerflich. Eigentlich noch nen Ticken mehr, denn in dieser Position handelt man ja nicht aus der Not heraus, unbedingt leben zu wollen. Sollten mich meine Organe รผberleben werd ich die auf jeden Fall freigeben. Reicht ja, wenn ich dann tot bin, ich muss ja nicht unbedingt โ€“ quasi durch Unterlassung โ€“ noch andere mitnehmen.

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