Als das Streetwork-Team Sรผdost (Mobile Jugendarbeit Leipzig e.V.) am Mittwochvormittag sein Bรผro in Paunsdorf aufschlieรŸen wollte, erlebte es eine unangenehme รœberraschung. รœber Nacht hatten Unbekannte die Schaufenster und Eingangstรผr der Kontakt- und Beratungsstelle Am Vorwerk mit Propaganda-Plakaten der Neonazi-Kleinstpartei โ€žIII. Wegโ€œ bepflastert. Betroffen waren auรŸerdem zwei weitere Jugendeinrichtungen des Stadtteils.

Am benachbarten Interim des kommunalen Jugendclubs โ€žCrazyโ€œ und auch am Kinder- und Jugendcafรฉ โ€žDie Brรผckeโ€œ (Heilsarmee) waren die Hinterlassenschaften dieser vom Verfassungsschutz beobachteten rechtsextremistischen Organisation festzustellen. Da beispielsweise angrenzende Ladengeschรคfte von der Klebeattacke verschont blieben, kann davon ausgegangen werden, dass gezielt Jugendeinrichtungen ausgewรคhlt worden waren. Dafรผr spricht auch der Plakat-Slogan โ€žJugend in den III. Wegโ€œ.

โ€žWir wollen das nicht unter den Tisch fallen lassen, damit es im Stadtteil fรผr alle transparent ist, was hier passiertโ€œ, sagt Streetworker Johannes Weise gegenรผber der Leipziger Zeitung (LZ). โ€žUns ist es wichtig, dass dokumentiert und festgehalten wird, dass hier eine klar rechtsradikale Partei, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird, ihr Unwesen treibt und sich an einer Raumnahme versucht.โ€œ Unter anderem die Polizei, die LWB als Vermieterin, die Planungsraumkoordinatorin als fachliche Ansprechperson sowie die Presse wurden daher bereits รผber diesen Vorfall informiert.

โ€žIn unserem AuรŸenauftritt, zum Beispiel auf Instagram, prรคsentieren wir uns als demokratiefreundliches, weltoffenes Angebot fรผr Jugendliche, das Diversitรคt und Vielfalt fรถrdern mรถchte. Von daher verstehen wir diese Aktion durchaus auch als Einschรผchterungsversuchโ€œ, erklรคrt Weise. โ€žAber das greift bei uns nicht. Es ist in erster Linie รคrgerlich und zeigt, dass hier solche Leute aktiv sind und es darauf ein Auge zu richten gilt.โ€œ

Das beklebte Streetwork-Bรผro der Mobilen Jugendarbeit Leipzig e.V. in Paunsdorf. Foto: MJA Leipzig e.V.
Das beklebte Streetwork-Bรผro der Mobilen Jugendarbeit Leipzig e.V. in Paunsdorf. Foto: MJA Leipzig e.V.

Welch brauner Geist im โ€žIII. Wegโ€œ herumspukt, ist im aktuellen Verfassungsschutzbericht 2022 folgendermaรŸen beschrieben: โ€žDie ideologischen Aussagen der Partei โ€šDer III. Wegโ€˜ sind nationalsozialistisch, antisemitisch und rassistisch geprรคgt. In ihrem โ€š10-Punkte-Programmโ€˜ propagiert die Partei unter anderem die Schaffung eines โ€šDeutschen Sozialismusโ€˜ sowie die Entwicklung und Erhaltung der โ€šbiologischen Substanz des Volkesโ€˜.โ€œ

Deutschlandweit werden dieser Partei nach Angaben des Verfassungsschutzes rund 700 Mitglieder bzw. Anhรคnger zugerechnet, allein in Sachsen sind es 140. Die Hochburg in diesem Bundesland ist Plauen, wo der โ€žIII. Wegโ€œ ein โ€žPartei- und Bรผrgerbรผroโ€œ betreibt, das sie selbst als โ€žNationalrevolutionรคres Zentrumโ€œ titulieren und das als Vorzeigeobjekt der Kleinstpartei gilt. Mit jeweils einem Sitz im Plauener Stadtrat sowie im Kreistag des Vogtlandkreises sind die Rechtsextremisten dort sogar in den Parlamenten vertreten.

Bei der Bundestagswahl 2021 konnte der โ€žIII. Wegโ€œ in Sachsen allerdings lediglich 4.288 Zweitstimmen, also 0,2 Prozent, fรผr sich verbuchen. Zudem wurde ihnen 512 Mal die Erststimme zuteil. โ€žSie ist damit eine Kleinstpartei am รคuรŸerst rechten Parteienrandโ€œ, schรคtzt das sรคchsische Landesamt fรผr Verfassungsschutz (LfV) ein.

Auch die Scheiben des OFT Crazy wurden mit Neonazi-Propaganda beklebt. Foto: MJA Leipzig e.V.
Auch die Scheiben des OFT Crazy wurden mit Neonazi-Propaganda beklebt. Foto: MJA Leipzig e.V.

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0,2% Zweitstimmen entsprechen 4.288 erwachsenen Wahlberechtigten. Mit wieviel zu konditionierenden oder schon konditionierten Kindern?
512 Erststimmen, also Wรคhler, die so รผberzeugt von ihrer Partei sind, dass sie nichtmal aus wahltaktischen Grรผnden die AfD wรคhlen.
0,2% klingt richtig niedlich, so ungefรคhrlich. Aber 4.288 radikalisierte Menschen bzw dabeistehende Helfer und Mitschlรคger und Weggucker, Pรถbeler, Rassisten, sehr hรคufig auch Stรถrer in der Nachbarschaft, die ihre Mitmenschen subtil oder, inzwischen in Sachsen ja wieder fast ungeahndet offen beleidigen, bedrohen und auch vor kรถrperlicher Gewalt und Sachbeschรคdigungen mittels zerstรถrerischen Mitteln nicht zurรผckschrecken. 4.288 finde ich da schon erschreckend. Nochzumal die Dunkelziffer der mitblรถkenden beifallkatschenden Sympathisanten um ein Vielfaches hรถher sein dรผrfte. Wenn wir dann von einem Multiplikator 5 ausgehen, sind das schon รผber 20.000. Eine mittlere Kleinstadt. Das sollte uns zu denken geben.

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