Das Erich-Zeigner-Haus und โLeipzig nimmt Platzโ haben Klage beim Verwaltungsgericht Leipzig eingereicht. Das bestรคtigte โNo Legidaโ-Aktivist und Grรผnen-Landesvorsitzender Jรผrgen Kasek auf Anfrage. Das Gericht muss nun darรผber entscheiden, ob es Gegenprotest auf fast dem kompletten Innenstadtring zulรคsst und eine geplante Mahnwache auf dem Dittrichring wie geplant stattfinden darf.
+++ 23:04 Uhr: Nachtrag zu Angriffen auf Journalisten +++
So massiv wie heute wurde die sogenannte Lรผgenpresse wohl seit dem 21. Januar 2015 nicht mehr ins Visier genommen. Damals konnten Neonazihools ungehindert Journalisten รผber die Straรe jagen. Allein unser Fotograf bekam heute ein fliegendes Feuerzeug ins Gesicht und wurde beim Arbeiten gezielt von einem Podest gestoรen. Auch die Kollegen melden รbergriffe, ein RTL-Drehteam soll betroffen gewesen sein, unter den Attacken auch Schlรคge ins Gesicht.
Fast รผberflรผssig zu erwรคhnen: Wieder einmal hagelte es unzรคhlige Bedrohungen und Beschimpfungen. Die einzige Institution dieser Welt, die keinen Zusammenhang zwischen offiziell verkauften Lรผgenpresse-T-Shirts und Gewaltaufrufen durch Tatjana Festerling auf der einen und angreifenden Demo-Teilnehmern auf der anderen Seite erkennen kann, scheint der sรคchsische Verfassungsschutz zu sein.
Davon abgesehen flog heute auch ein Bรถller in eine Gegendemonstration. Immerhin griffen die Legida-Ordner rigoros durch und รผbergaben den Werfer umgehend der Polizei. Die wiederum zeigte sich heute sehr engagiert: Als neben der Strecke โ Legida war zu diesem Zeitpunkt noch gut eine Minute entfernt โ drei junge Gegendemonstranten auf einer Wiese Lรคrm machten, rannten Beamte sofort auf sie zu. Die Legidagegner versuchten zu fliehen, es entbrannte ein kurzes Katz-und-Maus-Spiel. Am Ende warfen die Polizisten mindestens einen der Antirassisten zu Boden. Sie fรผhrten ihn anschlieรend ab und kontrollierten seine Personalien und seinen Rucksack.
+++ 21 Uhr: Schluss und ab nach Hause +++

Bislang kann man festhalten: Es war (weitgehend) friedlich, Legida kann immer noch nicht singen und insgesamt werden die islam- und auslรคnderfeindlichen Menschen am Montag in Leipzig zumindest auf der Straรe weniger. Die heutigen 600 Teilnehmer zeigen wohl das durchschnittliche Potential der Aufmรคrsche in Leipzig, und die auch heute seit Mittag eingetretenen Verkehrsbehinderungen finden nur noch aller vier Wochen statt. Markus Johnke mรถchte seine krachend gefloppte Talk-Sendung (aus dem Keller, wie sich L-IZ โ Leser erinnern kรถnnen) fortsetzen und in vier Wochen mรถchte man โwiedรคrgommรคnโ.
Warum man das allerdings nicht am Vรถlkerschlachtdenkmal oder an einem anderen Ort ohne Lahmlegung der Leipziger Innenstadt veranstalten kann, muss sich langsam wohl mal das Leipziger Rathaus fragen lassen. Nach dem Verschieben und Herumdirigieren der Gegenproteste am heutigen Tage nunmehr doppelt. Dazu selbst werden auรerdem weitere Entscheidungen der Gerichte erwartet.
Zu den zwei รbergriffen auf die Presse und weitere Videos folgt ein gesondertes Fazit der L-IZ-Crew vor Ort im Nachgang.
+++ 20:40 Uhr: Markus Johnke bestรคtigt die Einladungs-Ente +++
Man hat es ja vorher gewusst, so Markus Johnke nach der Rรผckkehr von Legida vom Rundgang. Gemeint ist das โGesprรคchsangebotโ an die Stadt, den OBM und NoLegida im Namen der Gewaltfreiheit, welches Legida unterbreitet hatte. Alle pro forma Eingeladenen hatten den Diskurs mit der rechten Bewegung abgelehnt.
Pro forma wohl auch deshalb, weil Legida hier einen vergifteten Apfel reichen wollte und keiner biss hinein. Dennoch bleibt die Frage umgekehrt offen, wieso Markus Johnke selbst nach wie vor bei einem Interviewangebot der L-IZ.de bis heute kneift. So bleibt es wohl auch heute dabei โ Legida glaubt, Gesellschaft und Medien steuern zu kรถnnen und beansprucht immer dann demokratische Grundformen, wenn es dem eigenen Vorhaben nรผtzt. Kritische Fragen sind da eher lรคstig.
Die abschlieรende Ansprache von โGraccianiโ zu kommentieren, erรผbrigt sich. Er erzรคhlt als Wanderprediger aus Berlin praktisch immer das Gleiche. Alle bรถse, Legida gut. Ach und โVolksverrรคterโ, โLรผgenpresseโ sowie โMerkel muss wegโ fehlen natรผrlich auch nicht. Ab hier wirds echt langweilig. Ok โ und ein โVolkstribunalโ brauchts auch wieder. Moment โฆ Volksgerichtshof? Zum Glรผck werden die Legidas immer weniger.
+++ 20:32 Uhr: Video der Sitzblockade auf dem Legida-Marsch an der Runden Ecke +++
+++ Der Legida โ Livestream, wie immer in kommentierter Fassung +++
+++ 20:12 Uhr: Legida lรคuft, einzelne Blockaden +++
Die Polizei fรผhrt Legida heute an allen Blockaden vorbei, welche sich immer wieder bilden. Mittlerweile ist die Demonstration am Neuen Rathaus angelangt.

+++ 19:36 Uhr: Der Roland Ulbrich (AfD) ist endlich auf der Bรผhne angekommen +++

Na endlich mag man sagen. Am 12. Januar 2015 stand er noch mit einem Schild in der Hand vor der Bรผhne, nun endlich hat er den Sprung hinauf geschafft. Das Mitglied der โPatriotischen Plattformโ innerhalb der AfD sucht das, was die AfD โ Spitze bislang immer wieder zu negieren sucht โ den Anschluss an Legida und Pegida.
Jetzt spricht der Jurist, so Ulbrich, es wรผrde wohl etwas trockener werden. Es wird wieder geschossen an der Grenze, Blockaden seien auch ein Thema fรผr ihn. Und dann beginnt es mit dem Thema โVerleumdungenโ durch die Presse seitens des Herrn Juristen. Und woher die Medien ihre Informationen so hรคtten. Er klรคrt es zwar nicht auf, da Ulbrich von Medien wahrscheinlich so viel Ahnung wie von โฆ hat, aber er versucht mal darzustellen, dass auch Gerichte und Staatsanwaltschaften bei den รถffentlichkeitswirksamen Fรคllen eigene Pressearbeit machen (ein Mittel um die 1.000en Presseanfragen zu regulieren).
Erregend findet Ulbrich, dass die Staatsanwaltschaft Dresden Pressemitteilungen herausgebe, ob sie fรผr den Fall โFesterlingโ und ihrer Reden als Gericht zustรคndig sei. Dies sei Unrecht, so der Jurist, es sei alles in solchen Verfahren zu unterlassen, was dem Beschuldigten schade. Also dรผrfe die Presse solche Informationen gar nicht erhalten.

Irgendwas โBiologischesโ habe wiederum sein Parteifreund Bjรถrn Hรถcke gesagt, was ihm dann zum Nachteil ausgelegt wurde. Was Ulbrich nicht sagt, ist die Einschรคtzung Hรถckes, dass sich irgendwie die Reproduktionsrate von Menschen durch ihre Herkunft bestimmen lรคsst. Bisschen genetische Rassenlehre hier und Roland Ulbrich auf der Bรผhne zu irgend etwas โBilogischemโ โ passt in der AfD und bei Legida.
Roland Ulbrich hat zudem herausgefunden, dass das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zur Zulรคssigkeit von friedlichen Blockaden oder nicht irgendwie falsch interpretiert wรผrde. L-IZ โ Leser wissen lรคngst: Dem ist nicht so, es handelt sich weiterhin um eine Ordnungswidrigkeit โ so die Einstufung des obersten deutschen Gerichtes. Aber schรถn, dass Jurist Ulbrich die Begrรผndung des Urteils im Vorfeld seines Redebeitrages nochmals selbst gelesen hat.
Ein schlechtes Demokratieverstรคndnis hรคtten fรผr den heutigen Hauptredner รผberdies Menschen, die gegen andere Menschen protestierten. Gemeint natรผrlich die Gegendemonstranten auch heute wieder. Die wiederum bekommen durch den Beitrag durchaus den einen oder anderen Grund mehr geliefert, vor Ort zu sein. Schieรen an der Grenze sei eine โKann-Bestimmungโ, hangelt sich AfD-Mann Ulbrich weiter durch den Themensalat seiner AfD-Verteidigung und dies kรถnne man auch รคndern. So Ulbrich zu den โHinweisenโ seiner Parteikollegen und Kollegin Frauke Petry, dass zur Not an der Grenze zur Flรผchtlingsabwehr auch geschossen werden kรถnne.
Zwischendurch noch kurz der Beweis, wie sehr Legida auf die Auรenwirkung achtet: โSiehst Du das, wie viel Zugriffe wir noch haben?โ kann man am Rande der Ansprache hรถren โ1.800โ die Antwort.
Ja, wir haben wieder krรคftig mitgeholfen. Legida ist zum Rundgang aufgebrochen. Es ist 20 Uhr.

+++ 19:33 Uhr (ehrliche Zeitangabe): Auftritt der โVolksfahrrรคderโ +++
Markus Johnke spricht รผber die Angst eines befreundeten Pรคrchens, welches von Wurzen nach Leipzig gezogen ist und nun Angst hat. So wie alle, denn immerhin habe ja die Menge der Waffen zugenommen. Kurioserweise fehlt wieder die Rolle derer, die, wie Johnke heute erneut, von schrecklichsten Dingen berichten und das Abendland bedroht sehen. Man wartet ein bisschen auf ein paar Sรคtze zu den รberfรคllen in Connewitz?
Angst, die hier geschรผrt wird, betrifft nun also Johnkes Freunde. Jetzt auch nicht besonders รผberraschend und wohl der Teil der sozialen Blase, in welcher der Legida-Frontmann so lebt. Rufe wie โVolksfahrrรคderโ erschallen, anschlieรend werden rechte Gewalttaten heruntergespielt und auf โdie da obenโ gezeigt. In dieser Welt ist es auch der โDruck, den die Aktivisten vor Ortโ in Kรถln aufgebaut hรคtten. Dass die Kรถlner Lokalpresse bereits unmittelbar nach den รbergriffen in der Silvesternacht berichtet hatte, scheint dem Mann auf der Bรผhne wieder mal entgangen zu sein.
Finstererweise instrumentalisiert Johnke nun auch noch den bislang unklaren Fall rings um die 13-jรคhrige Elia (Name geรคndert, d. Red.). Ein junge Deutschrussin, welche angeblich 30 Stunden lang vergewaltigt worden wรคre, natรผrlich von Flรผchtlingen. Noch ermittelt die Polizei, die Aussagen sind derzeit mindestens widersprรผchlich. Felix Baumgartnern, รsterreichischer Extremspringer fรผr Red Bull, hat bei Legida nun neue Freunde gefunden, nachdem er in einem ellenlangen Post bei Facebook so ziemlich alles an Sozialrassismus auskippte, was ein โLeistungstrรคgerโ so alles in petto haben kann. Gleichzeitig begrรผndete er seine โSchweizer Steueroptimierungenโ.
Nun wieder โMerkel muss wegโ-Rufe und Trillerpfeifen vom Gegenprotest. Felix ist ein Guter und spart weiter Steuern.
+++ 19:15 Uhr: Markus grรผรt die ganze Welt +++
16 Lรคnder sollt Ihr sein, man will am 16. Februar in Dresden gemeinsam demonstrieren, so Markus Johnke zum Beginn seiner heutigen Ansprache vor wenig Publikum. So soll am Samstag, 6. Februar 2016 ab 15 Uhr, mal so โrichtig Druck ausgeรผbtโ werden. Es dรผrfte sich um eine gemeinsame Aktion mit diversen rechten Parteien handeln, womit auch klar ist, warum Lutz Bachmann genรผgend unterwegs war. Insbesondere die Beziehung zum โFront Nationalโ in Frankreich wird sich demnach am Samstag zeigen โ oder nicht. Fรผr Johnke jedenfalls ist diese Verbindung besonders wichtig.

+++ 19:08 Uhr: Alles trifft sich am Wagner-Platz +++
Rund 200 Legida-Teilnehmer von gesamt runden 500 bis 600 am heutigen Abend haben sich offenbar wieder auf den originalen Ruf der Neonazis besonnen. โHier regiert der nationale Widerstandโ schallt es รผber den Platz, als ein Trupp unter Polizeibegleitung vom Bahnhof kommend eintrifft. Auf ihrem Weg รผbler Geruch, in der Unterfรผhrung am Ring soll auf der Strecke Buttersรคure ausgebracht worden sein. Einem Teilnehmer flog das Schild davon, welches von Gegendemonstranten anschlieรend zerrissen wurde. Ihm zumindest fehlt heute irgendeine nicht nรคher bekannte Parole.

+++ 18:59 Uhr: Wir schalten schon mal ein, Gegendemos laufen friedlich +++
Da isser also wieder, der gute alte Livestream von LEGIDA, welchen wir gern erneut einbauen und live kommentieren wollen. Doch vorab noch etwas zur Lage. Die Mahnwache hat trotz Untersagung praktisch stattgefunden. Es fanden sich auch keine Beamte, die diese auseinandertreiben wollten oder รคhnliches. Wรคhrend sich also aus dem etwas seltsamen Bescheid des Ordnungsamtes Leipzig (dazu verlangte nunmehr Frank Kimmerle eine Entschuldigung vom OBM direkt, wenn Heiko Rosenthal sich nicht รคuรern mรถchte) eher eine Gerichtsgeschichte entspinnt, hat es an der Situation vor Ort nichts geรคndert. Neben der friedlichen Mahnwache gab es auch eine Demonstration von rund 600 Menschen, welche sich nach Beendigung auflรถste und Richtung Augustusplatz orientierte. Dort sammelt sich โLeipzig nimmt Platzโ.
Die bestimmenden Themen bei den Demo-Ansprachen waren erwartungsgemรคร der sรคchsische Verfassungsschutz, welcher irgendwie an Legida/Pegida nichts Gefรคhrliches findet und stattdessen die Gegenproteste beobachtet. Auch nach den Vorfรคllen vom 11. Januar in Connewitz scheint sich das Lagebild der Schlapphรผte kaum verรคndert zu haben โ sie sahen eine hohe rรคumliche Entfernung zwischen den Randalen rechter Hooligans und Legida und deshalb kaum Zusammenhรคnge.
Seltsam nur, dass nun heute umgekehrt laut der Beauflagungen der Stadt Leipzig die ebenfalls von den Versammlungen des Gegenprotestes entfernten Attacken Linksextremer fรผr Auflagen herhalten mussten.
+++ 18:15 Uhr: Geputzt wird trotzdem +++
Sie haben sich dennoch getroffen, wo sie sich treffen wollten und werden wohl auch vor Ort ausharren. Wรคhrend sich am Sรผdplatz die Demonstration von โRefugees Welcome Leipzigโ formierte, gab es fรผr Christian Wolff und Frank Kimmerle heute einen Auflagenbescheid, gegen den sie aktiv vorgehen. Christian Wolff verlangte vor Ort eine Entschuldigung fรผr den Auflagenbescheid des Ordnungsamtes, da auch er sich von einem Verbot einer Versammlung betroffen sieht, welche nachweislich immer friedlich verlief. โEs ist so grotesk.โ, so Wolff vor Ort, das Verwaltungsgerichtsurteil setze dem aus seiner Sicht widerrechtlichen Bescheid der Stadt Leipzig nur noch die Krone auf.
Fรผr Frank Kimmerle ist das Handeln des Ordnungsamtes nur noch peinlich. Dieses hatte im Auflagenbescheid fรผr seine Mahnwache am Dittrichring eine Uhrzeit nach dem Legida-Aufmarsch festgelegt, da man seitens der Stadt vermutet, es kรถnnten durch Dritte in ihrem Umfeld Stรถrungen fรผr die Islamfeinde, welche nachweislich seit Monaten unter Beteiligung ua. der NPD und freier Kameradschaften auftreten, entstehen. Eigentlich mal eine gute Gelegenheit zu zeigen, was auf dem Stein vor Ort so zu lesen steht.
Hier ist er.

Die Demonstration von โRefugees Welcome Leipzigโ zieht unterdessen unter Beteiligung von 550-600 Menschen durch die Innenstadt Leipzigs. Gezรคhlt hat dies die Initiative โDurchgezรคhltโ.
+++ 17:30 Uhr: Verwaltungsgericht lehnt ab, nun ist das OVG in Bautzen dran +++
Rechtsanwalt und Landesvorstand der Grรผnen, Jรผrgen Kasek, vom Bรผndnis โLeipzig nimmt Platzโ (LNP) ist sauer. Seit etwa 20 Minuten hat er die Ablehnung seiner Einwรคnde vom Verwaltungsgericht Leipzig in der einen Hand und nun den Widerspruch dagegen in der anderen. Damit geht es nun vors Oberverwaltungsgericht in Bautzen, um noch vor dem Start der heutigen Demonstrationen eine zumindest in Sachsen oberinstanzliche Entscheidung zu erhalten. โWir sind nicht mehr bereit, uns diese rechtswidrige Entscheidung bieten zu lassenโ so Kasek gegenรผber L-IZ. Fรผr ihn und LNP ist die Entscheidung praktisch eine Schuldzuweisung gegenรผber dem Gegenprotest.
Zwar attestiert man den Anmeldern aller Gegenproteste Friedlichkeit und macht sie dennoch fรผr Vorfรคlle auรerhalb des Demonstrationsgeschehens verantwortlich. โWir, also das Bรผndnis und ich haben bereits beschlossen, hier in ein Haupsachverfahren einzutreten.โ Dies bedeutet auch โ wenn in Bautzen heute die gleiche Entscheidung fรคllt, wie vor dem Leipziger Gericht, kรถnnte diese Frage noch eine Stufe hรถher โ also vor dem Bundesverfassungsgericht โ landen. Das Fax jedenfalls ist nun in Bautzen angekommen.
Wรคhrend die Anwรคlte und Richter noch die gespitzten Bleistifte wetzen, bleibt der Rest vorerst, wie berichtet. Frank Kimmerle vom Erich-Zeigner-Haus wird ungeachtet der Beschrรคnkungen durch das Ordnungsamt ab 18 Uhr am Stolperstein-Mahnmal auf dem Dittrichring stehen. Dies war ihm untersagt worden. Zivilen Ungehorsam plant womรถglich auch das Bรผndnis โRefugees Welcomeโ, das ab 17:30 Uhr zur Demo vom Sรผdplatz zum Neuen Rathaus aufgerufen hatte.
Am Sรผdplatz haben sich unterdessen bereits ein paar hundert Leute zur Demo von โRefugees Welcome Leipzigโ versammelt.
+++ 14:30 Uhr Kein Ende der Gewalt +++
Zum wiederholten Male ist Legida ein Fall fรผr die Gerichte geworden. Das Verwaltungsgericht Leipzig muss im Laufe des Tages รผber eine Klage des Aktionsnetzwerkes โLeipzig nimmt Platzโ (LNP) und des Erich-Zeigner-Hauses entscheiden. Beide wollen sich mit den Beschrรคnkungen fรผr ihre fรผr heute Abend geplanten Kundgebungen nicht zufrieden geben.
Frank Kimmerle, Geschรคftsfรผhrer des Erich-Zeigner-Hauses, hatte eine Mahnwache an einem Stolperstein auf dem Dittrichring angemeldet, nahe des Legida-Aufzuges vom Richard-Wagner-Platz zum Neuen Rathaus. Das Ordnungsamt will diese jedoch erst ab 21 Uhr zulassen. Es unterstellt Kimmerle, nicht an die Nazi-Verfolgten zu erinnern, sondern eigentlich den Legida-Aufzug verhindern zu wollen.

Auch โLeipzig nimmt Platzโ hatte ursprรผnglich andere Plรคne. Das zivilgesellschaftliche Bรผndnis wollte vom Augustusplatz, รผber Hauptbahnhof und Goerdelerring, bis zur Thomaskirche und von dort รผber die Groรe Fleischergasse zum Richard-Wagner-Platz laufen โ also auf Teilen der Route, die heute Abend fรผr Legida vorgesehen ist. Die Versammlungsbehรถrde erlaubt aber lediglich eine Demo bis zum Hauptbahnhof und von dort aus รผber den Brรผhl zum Richard-Wagner-Platz.
LNP-Mitglied Jรผrgen Kasek verweist darauf, dass die antirassistische Kundgebung bereits im vergangenen November, der Aufzug von Legida jedoch erst vor einer Woche angemeldet worden sei. Das Ordnungsamt begrรผndet seine Beschrรคnkungen unter anderem mit den zahlreichen Stรถrungen und Angriffen auf Polizei und Legida-Teilnehmer, die es in den zurรผckliegenden zwรถlf Monaten gegeben hat. Fรผr Kasek eine absurde Argumentation: โDas Erich-Zeigner-Haus und wir haften offenbar fรผr alles, was jemals passiert ist, selbst wenn wir an den Tagen gar keine eigenen Demonstrationen angemeldet haben.โ
Legida hingegen wรผrde fรผr randalierende Hooligans wie Mitte September und den Angriff in Connewitz am 11. Januar nicht in Haftung genommen. Das mildeste Mittel wรคre es nach Ansicht von Kasek gewesen, โLeipzig nimmt Platzโ รผber den Ring laufen zu lassen und die Kundgebung von Legida erneut auf den Bayrischen Platz zu verlegen. Die Gefahr von gewalttรคtigen Zusammenstรถรen sei so am Geringsten.
In einem am Sonntag verรถffentlichten Offenen Brief รผbt das Aktionsnetzwerk scharfe Kritik an den Ordnungsbehรถrden der Stadt. Diese richtet sich nicht nur an die Verfahrensweise mit Gegenkundgebungen, sondern auch an die Polizei, die beispielsweise im Vorfeld des Legida-Geburtstages interne Informationen an Neonazis weitergegeben hatte. Fรผr die Polizei wรคre eine Legida-Route vom Richard-Wagner-Platz zum Neuen Rathaus wohl die beste Wahl. โDas ist die einzige, die bislang ohne groรe Stรถrungen funktioniert hatโ, betont Kasek.
Frank Kimmerle vom Erich-Zeigner-Haus hat bereits zivilen Ungehorsam angekรผndigt. Ungeachtet der Beschrรคnkungen durch das Ordnungsamt wolle er ab 18 Uhr am Stolperstein-Mahnmal auf dem Dittrichring stehen. Zivilen Ungehorsam plant womรถglich auch das Bรผndnis โRefugees Welcomeโ, das ab 17:30 Uhr zur Demo vom Sรผdplatz zum Neuen Rathaus aufruft. Das offizielle Motto lautet โJetzt erst recht! Gegen Rassismus und staatliche Repressionโ. Auf Facebook bewirbt das Bรผndnis seine Kundgebung mit dem Slogan โFรผr ein Ende der Gewalt!โ.
Eine weitere Demo fรผhrt ab 18 Uhr vom Nord- zum Richard-Wagner-Platz. Dort soll dann gemeinsam mit โLeipzig nimmt Platzโ die zentrale Gegenkundgebung stattfinden. Ursprรผnglich hatte auch eine โLeipziger Bรผrgerwehrโ fรผr heute Abend einen Rundgang angekรผndigt. Dieser Termin sei jedoch โ so die Mitteilung auf der Facebookseite โ โnicht realisierbarโ.
Wieder einmal bleibt nun abzuwarten, wie das Gericht in Sachen Gegenprotest entscheiden wird. Fรผr den Fall, dass es die Beschrรคnkungen des Ordnungsamtes bestรคtigt, hat Kasek bereits einen Gang in die nรคchste Instanz angekรผndigt.
So kรถnnen Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstรผtzen:
Es gibt 9 Kommentare
Ich habe ein Wort zu viel geschrieben, du eine ganze Antwort zu wenig.
Mal ehrlich โ geantwortet hast du wieder nicht und dabei hat dich MF so hรถflich gefragt.
Das alte Problem?
JG hat schon wieder seinen Beruhigungstee nicht getrunken!
Bessere (harmlosere, flauschigere, nichtssagendere) Worte hรคtte es Rosamunde Pilcher auch nicht finden kรถnnen.
ich mag keine Gewalt / Angriffe โ auf beiden Seiten. Ich mag weder die Demonstrationen und auch nicht die Gegendemonstrationen. Was hier in Leipzig passiert hat sich lรคngst vom Weg der normalen friedlichen demokratischen Auseinandersetzung entfernt. Es ist nicht im Sinne der Mehrheit der Bรผrgerinnen und Bรผrger von Leipzig, die diesem Geschehen lรคngst den Rรผcken gekehrt haben โ beiden Seiten. Beide Seiten schaden dem Ansehen Leipzigs.
Nach meiner Ansicht wird durch diese Art und Weise der Gegendemonstrationen die AfD gewaltig gestรคrkt. In der gesamten BRD. Einige Betonkรถpfe scheinen das nicht zu begreifen, wie beispielsweise der Herr Wolff. Einer der besten Wahlkรคmpfer der AfD! Auch Herrn Kasek werden nach den Landtagswahlen im Mรคrz viele Dankschreiben und Blumengrรผรe (besonders von der AfD aus Sachsen-Anhalt) erreichen.
Was soll ich von ihrer Frage bezรผglich des Angriffs auf einen Journalisten der L-IZ halten? Weshalb stellen Sie mir diese Frage? Ich lehne jegliche derartige Angriffe ab โ von beiden Seiten. Ich habe an Besuchen dieser โVeranstaltungenโ kein Interesse.
Interessiert bin ich vorwiegend daran, was da juristisch abgeht. Fรผr gestern stehen diesbezรผglich viele Fragen im Raum, die ich heute versuchen werde, mir beantworten zu lassen.
Liebe Yvonne, da kann man mal unumwunden Recht geben โ es haben eigentlich alle satt, die mehr im Leben vorhaben, als sich mit so etwas zu befassen โ dennoch passiert es uns allen immer wieder ๐
Lieber Klaus, der nicht-militรคrische, angemessene (zivile) Widerstand verlief friedlich. Der Rest steht auf der L-IZ.de. Da Sie ja ein Freund der L-IZ sind, wie stehen Sie zu Angriffen auf unsere Journalisten? http://www.l-iz.de/leben/gesellschaft/2016/02/legida-videos-einschuechterungsversuche-und-ein-angriff-auf-die-presse-125044
Wie immer freundlichst
Ihr M.F.
Respekt an die Blockierer. Danke an alle, die sich immer wieder aufraffen, den Protest gegen das Gedankengut von Legida auf die Straรe zu tragen. Und danke fรผr die Berichte, auch wenn man es eigentlich nicht mehr lesen mag.
Was geht da bei euch eigentlich ab? Auf der Strasse rumsitzen ist ein Fall fรผr den Vetfassungsschutz, aber bei offenen Gewaltandrohungen von einer Bรผhne herunter ist er nicht zustรคndig. Ist das irgend so ein Fehlersuchspiel und ich habs nur nicht kapiert?
โWir sind nicht mehr bereit, uns diese rechtswidrige Entscheidung bieten zu lassenโ so Kasek gegenรผber L-IZ,
Bitte beachten, Herr Kasek ist Rechtsanwalt!
Antrรคge wurden zurรผck gewiesen.
Wie wird der zivile Ungehorsam aussehen bzw. ausgehen?