Leipzig sammelt sich. Zahlreiche Initiativen riefen fรผr Montag gegen die erste Demonstration von "Legida" (Leipzig gegen die Islamisierung des Abendlandes) in Leipzig auf. Laut Legida-Veranstalter werden Tausende erwartet um ab 18:30 Uhr im Waldstraรenviertel zu demonstrierten. Die Polizei hat den Waldplatz ab 14 Uhr groรrรคumig abgesperrt und zahlreiche Vorsperrungen aufgestellt. Auch die angekรผndigten Ausweiskontrollen finden konsequent statt.
Weiter sind ca. 4.500 StudentInnen in der Universitรคtsstraรe gestartet und laut Polizeiangaben haben sich in der Innenstadt รผber 7.000 Menschen versammelt und die Nikolaistraรe ist restlos รผberfรผllt.
Ca. zehn weiteren Personen ist es gelungen, die Absperrung zu รผberwinden, gelangten aber nicht zum Rest der Gruppe, da sie von der Polizei abgefangen wurden. Die Demo wurde nun รผber die Leibniz-/Gustav-Adolf-Straรe/Tschaikowskystraรe umgeleitet. Als die Legida Demonstranten um kurz vor 20 Uhr aus der Tschaikowskystraรe kommen, erschallen lautstark Rufe wie โHaut abโ, โIhr habt kein Recht auf Massenpropagandaโ und โNationalismus muss raus aus den Kรถpfenโ und โPegida Faschistenpack, wir haben euch zum Kotzen satt!โ.
Wรคhrend die Gegendemonstration nach ersten Schรคtzungen in Leipzig auf รผber 30.000 Teilnehmer kam, ist Legida offenbar hinter den eigenen Erwartungen zurรผckgeblieben. Hier liefen letztlich nach L-IZ โ Beobachtungen zwischen 2.500 bis 3.000 Menschen die Route รผber die Waldstraรe-Gustav-Adolf-Straรe und auf der Jahnallee รผber den Waldplatz zurรผck zum Vorplatz des Zentralstadion.
โBevor sich im Laufe der frรผhen Abendstunden die Teilnehmer des LEGIDA-Aufzugs versammelten, begann im Laufe der Nachmittagsstunden bereits die Durchfรผhrung verschiedener Gegenkundgebungen bzw. -aufzรผge. Dabei zรคhlte die Versammlungsbehรถrde im Verlaufe des Einsatzes folgende Teilnehmer an einzelnen Aufzรผgen: Versammlung des Studentenrates 8.000, Refugees welcome (Frau Nagel) 2.500, Willkommen in Leipzig (Pfarrer a.D. Wolf) 7.000, der Aufzug โErich-Zeigner-Haus-Bรผndnis 8.Maiโ 1.500 Teilnehmer. Zum Westplatz begaben sich zwischenzeitlich direkt 1.500 Versammlungsteilnehmer. Seitens der Veranstalter wird die Zahl derer, die sich letztendlich auf dem Waldplatz versammelt hatten, auf ungefรคhr 30.000 Personen geschรคtzt.
Neben den zuvor angemeldeten Versammlungen, formierte sich gegen 17:00 Uhr ein Aufzug von LEGIDA-Befรผrwortern an der Fleischergasse, dem sich etwa 300 Personen anschlossen. Seitens der Versammlungsbehรถrde erging die Entscheidung, diesen Aufzug รผber die Straรenzรผge Jahnallee, Friedrich-Ebert-Straรe zum Sammelort der LEGIDA-Anhรคnger gehen zu lassen. Hierbei kam es zu keinen Zwischenfรคllen.
Im Zusammenhang mit den verschiedenen Aufzรผgen und Kundgebungen, welche im zeitlichen Vorfeld des eigentlichen LEGIDA-Aufzugs stattfanden, registrierten die eingesetzten Polizeibeamten keine Stรถrungen. Allerdings kam es zu erheblichen Verkehrseinschrรคnkungen, die sich im Waldstraรenviertel versammlungsbedingt bis in den Abend fortsetzen. Insbesondere am Waldplatz, wo neben einer stationรคren Kundgebung zugleich zwei Aufzรผge ihren Endpunkt erreichten, kam der Verkehr รผber Stunden zum Erliegen.
Gegen 19:00 Uhr hatten sich dann etwa 4.800 Menschen am Sammlungsort des LEGIDA-Aufzugs (Friedrich-Ebert-Straรe/Stadionvorplatz) eingefunden. Nach einer dortigen Auftaktkundgebung begaben sich die Teilnehmer unter Mitfรผhrung von Fahnen und Transparenten auf die Strecke durch das Waldstraรenviertel. Bereits beim Zulauf zum Sammelplatz kam es zu Behinderungen, da LEGIDA-Gegner den Zugang zu be- und verhindern suchten. Seitens der Versammlungsbehรถrde der Stadt Leipzig erfolgte zudem in Absprache mit dem Versammlungsleiter die Festlegung einer verkรผrzten Strecke durch die Tschaikowskistraรe, da sich auf der Aufzugstrecke bereits vor Aufzugsbeginn eine grรถรere Menschenmenge angesammelt hatte.
Die รผberwรคltigende Mehrheit der LEGIDA-Gegner zeigte ihren Protest kreativ und friedlich. Im Umfeld des LEGIDA-Aufzuges kam es jedoch durch mehrere kleinere Gruppen zu vereinzelten Zwischenfรคllen. Mehrfach wurden Flaschen, Fรคkalienbeutel und Rauchgaskรถrper gegen die Polizei geworfen. Auch Reizgas wurde gegen die Polizei gesprรผht, wodurch zwei Beamten verletzt wurden. In der Liviastraรe kam es zur Brandstiftung an einem Audi A8. In der Gustav-Adolf-Straรe brannten mehrere Mรผlltonnen. Die Polizeidirektion Leipzig hat hierzu entsprechende Ermittlungen eingeleitet.
Die Polizeibeamten mussten Mittel des unmittelbaren Zwangs wie einfache kรถrperliche Gewalt und Pfefferspray einsetzen. Dieses war nicht zuletzt erforderlich, um LEGIDA-Gegner an einem Eindringen in den gesperrten Sammlungsbereich der LEGIDA-Bewegung zu hindern. Aus den Reihen der LEGIDA-Gegner musste eine Person (m, 22) fรผr die Dauer der Versammlungen in Gewahrsam genommen werden.
Nach der Schlusskundgebung der LEGIDA-Anhรคnger setzte unmittelbar der Abgang ein, bei welchem Auseinandersetzungen zwischen den LEGIDA-Anhรคngern und deren Gegnern durch polizeiliche Prรคsenz weitgehend verhindert werden konnten.
Im Resultat hat sich das Einsatzkonzept von Stadt und Polizeidirektion Leipzig bewรคhrt. Trotz der stark kontrรคren Standpunkte, trotz der vorherigen Propagierung einzelner unfriedlicher Aktionen und trotz der unmittelbaren Nรคhe der Versammlungsorte konnten die Hรถr- und Sichtweite des Protestes ebenso gewรคhrleistet werden wie die Ausรผbung des Versammlungsrechts durch LEGIDA. Zudem verlief das Versammlungsgeschehen in der Gesamtbetrachtung friedlich.โ
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