Die Partei Die PARTEI sorgt sich wieder einmal um die Dinge die wirklich wichtig sind: Fรผr die Silvesternacht sind es in diesem Jahr die geliebten Mitbewohner der Leipziger auf bis zu vier Beinen. Aus diesem Grund ruft die Partei fรผr die Silvesternacht zu einer Kundgebung am Connewitzer Kreuz unter dem Motto โ€žBier statt Bรถllerโ€œ auf. Mit einigen Hintergedanken.

Denn hinter der Kundgebung der Partei Die PARTEI steckt die Sorge, dass Haustiere aufgrund der zahlreichen Bรถller verschreckt werden kรถnnten. Doch, wie meist bei der Partei, welche schon mal flott zu โ€žLegida-Das Originalโ€œ mutierte, nach dem รœberfall auf Connewitz fรผr das Viertel soff oder mit einem Kreuz aus Bierkรคsten zum Katholikentag wankte, steckt etwas mehr dahinter.

โ€žSilvester am Kreuzโ€œ fand in den letzten Jahren weniger in die Schlagzeilen, weil man den Jahreswechsel eher weniger fรผr sinnvolle Debatten รผber das Fรผr und Wider von pyrotechnischen Erzeugnissen nutzte. Mรถgliche und tatsรคchliche ZusammenstรถรŸe zwischen Anwesenden und der Polizei standen immer wieder im Zentrum auch des medialen Interesses. Und Anlรคsse gab es genug. Mal waren es eine vorsorglich martialisch aufmarschierende Polizei, Bannmeilenaktionen und teils ruppige Einsรคtze. Mal auch die Durchfรผhrung von nicht angemeldeten Demonstrationen, die von der Polizei gestoppt wurden und in deren Anschluss die Lage teilweise vollstรคndig eskalierte.

Seit dem Jahr 2013 hat die Polizei jedoch ihr Konzept umgestellt und tritt seither weniger prรคsent auf. Mit wachsendem Erfolg, die Lage normalisierte sich langsam wieder, Randale blieben zunehmend aus.

Beim letzten Jahreswechsel sammelten sich genau drei Personen zu einer Kleinstdemo gegen das Versammlungsverbot. Randale blieben aus. Foto: Tim Wagner
Beim letzten Jahreswechsel sammelten sich genau drei Personen zu einer Kleinstdemo gegen das Versammlungsverbot. Randale blieben aus. Foto: Tim Wagner

Zum letzten Jahreswechsel kam es so zu keinen grรถรŸeren Auseinandersetzungen mehr in Connewitz. Wรคhrend dies ein Grund zur Freude war, blieb allerdings ein umfassendes Demonstrationsverbot zu konstatieren, welches an einen Entzug von Bรผrgerrechten wie Versammlungsfreiheit grenzte und scharf kritisiert wurde. Eine Person versuchte letztlich nur wegen dieses Verbotes in der Silvesternacht erfolglos eine Demonstration anzumelden, um zu protestieren.

Spannend war also die Frage in diesem Jahr: Wรผrde die regulรคre Anmeldung einer Demonstration mรถglich sein?

Offenbar ja, denn am 27. Dezember kam es zu einem Treffen zwischen PARTEI-Vertretern und dem Leipziger Ordnungsamt. Weniger Sorge besteht laut L-IZ โ€“ Informationen aus dem Gesprรคch seitens der Stadtverwaltung gegenรผber der als friedlich bekannten Anmelder und die zu erwartenden Teilnehmer der Kundgebung. Wie in allen Jahren war letztlich Connewitz das eigentliche Thema โ€“ mit รผberraschendem Ausgang.

Denn neben dem letztjรคhrigen Versammlungsverbot, welches nun aufgehoben ist, verursachte der jahrelange Versuch, ein Ausschankverbot am Connewitzer Kreuz durchzusetzen, auch in diesem Jahr fรผr Gesprรคchsstoff. Die auch oft als โ€žBannmeileโ€œ bezeichnete MaรŸnahme stand in der Kritik, weil sie irritierenderweise immer nur fรผr Connewitz galt und somit als klare Diskriminierung wahrgenommen wurde. Das Vorhaben zielte darauf ab, den Nachschub an Alkohol zu unterbinden, um die Eskalationsschwelle zu senken.

In diesem Jahr wird sie nun voraussichtlich nicht mehr so umgesetzt werden. Wohl auch aus Einsicht in die Unsinnigkeit der Idee selbst: Die Stadt schรคtzt laut L-IZ โ€“ Informationen das Verbot mittlerweile als nicht durchsetzbar ein.

Bekannt fรผr provokante, aber friedliche Aktionen. Thomas KumbernuรŸ zum Katholikentag 2016 am Kreuz - stilecht aus Sternburg-Kรคsten gebaut. Foto: L-IZ.de
Bekannt fรผr provokante, aber friedliche Aktionen. Thomas KumbernuรŸ zum Katholikentag 2016 am Kreuz โ€“ stilecht aus Sternburg-Kรคsten gebaut. Foto: L-IZ.de

Demonstrations-Anmelder und Leipziger PARTEI-Chef Thomas โ€žKunoโ€œ KumbernuรŸ รคuรŸerte sich im Nachgang an das Gesprรคch mit dem Ordnungsamt positiv รผberrascht: โ€žIch finde es schรถn, dass die Stadt endlich auf uns zukommt. Es geht scheinbar doch nur mit der PARTEI, dass endlich Connewitz und der Alkohol entkriminalisiert werden.โ€œ

Mit dem neuen Kurs reagieren Stadt und auch die Polizei in ihren diesjรคhrigen Planungen auf die Ereignisse in der Silvesternacht der letzten Jahre. Und versuchen sich angesichts der beidseitigen Entspannungen in einem langsamen Rรผckbau der teils kuriosen MaรŸnahmen rings ums Connewitzer Kreuz. Erneute Szenen von polizeilichem Handeln mรถchte man eher vermeiden. Dahinter dรผrfte auch die seit Jahren gereifte Erkenntnis stecken, dass eine niedrige Eingriffschwelle bei einem angetrunkenen Publikum wesentlich mehr Gegenreaktionen auf PolizeimaรŸnahmen hervorruft, als wenn man die Menschen einfach, wie beispielsweise an anderen Orten der Stadt, in Ruhe feiern lรคsst.

Fรผr die Kundgebung der Partei Die PARTEI bedeutet dies nun, dass fรผr die Veranstaltung nur wenige Einschrรคnkungen auferlegt werden. Glasflaschen, Vermummung oder andere gefรคhrliche Gegenstรคnde sind nach wie vor verboten. Ein Alkoholverbot soll nicht explizit ausgesprochen werden, schlieรŸlich ist Silvester.

Die PARTEI sammelte am 15. Januar 2016 Geld fรผr den Connewitzer Kiez nach den Zerstรถrungen am 12. Januar 2016. Video: L-IZ.de

KumbernuรŸ zu den angekรผndigten Auflagen fรผr die Demonstration: โ€žIch mรถchte auch unsererseits deutlich darauf hinweisen, dass wir weder Gas- noch Glasflaschen auf unserer Kundgebung dulden werden. Und natรผrlich auch keine Raketen und Bรถller!โ€œ, schlieรŸlich wolle man fรผr das Wohl der Tiere und gegen die Knallerei demonstrieren.

Die Versammlung ist fรผr 23:00 bis 23:30 Uhr auf der Verkehrsinsel an der Bornaischen und Wolfgang-Heinze-StraรŸe angemeldet, erwartet werden laut Veranstalter zwischen 50 und 100 Teilnehmer. Dann soll dafรผr demonstriert werden, die Knallerei zugunsten des Tierwohls ein wenig runterzufahren. Und stattdessen lieber ein Bier zu trinken.

Seitens der Stadt besteht die Bitte, die Versammlung pรผnktlich enden zu lassen. Mรถglicherweise ein Hinweis auf ein eventuell geplantes Versammlungsverbot ab Mitternacht.

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